Jonathan Blues Band

 

Nein, Schluss ist bei Jonathan (hoffentlich) nach lange nicht. Da die Band über keine eigene Internetpräsenz verfügt, habe ich mich entschlossen, ihr hier eine eigene Seite zu widmen. Die fehlende Internetpräsenz ist auch der Grund dafür, dass es einem Glückstreffer gleich kommt, ihre rar gewordenen Gig-Termine zu erhaschen. Insider wissen jedoch, dass die Jonathan-Blues-Band mit schöner Regelmäßigkeit alljährlich am Ende des „Köpenicker Blues- und Jazzfestivals“ zur „East-Blues-Session“ in den Innenhof des historischen Rathauses einlädt. Ebenso regelmäßig findet alljährlich am ersten Januarwochenende in der Berliner „WABE“ der „Neujahrsblues“ mit Jonathan statt.

 

Die „Jonathan-Blues-Band“ wurde 1980 als Amateurband von Peter Pabst (voc, g) in Ost-Berlin gegründet. Ihm zur Seite stand und steht bis heute Hagen Dyballa (bg, voc). An den Drums saß Ulrich Kersten. Alle drei Musiker hatten ihr Rüstzeug bei namhaften Bluesformationen der Berliner Szene erworben. Pabst hatte zuvor mit Günter „Holly“ Holwas, dem Erfinder der legendären Blues-Messen, gespielt. Dyballa hatte schon in der „Passat-Blues-Band“ den Bass gezupft und Kersten war bei „Vai hu“ gewissermaßen bei Stefan Diestelmann in die Lehre gegangen.

 

Jonathan spielte von Anbeginn einen druckvollen, kompromisslosen Bluesrock. Die "Liebe" zu den weißen Bluesbarden Johnny Winter, Alexis Korner oder SRV war unverkennbar. Einfach herrlich, wie Pabst seine Gitarre quälte. Dyballa und Kersten sorgten für den nötigen Überdruck. Natürlich hatte Jonathan - von Staatswegen gefordert - auch eigene deutschsprachige Nummern im Programm. 1986 wechselte die Band ins Profilager. Im gleichen Jahr verließ Kersten die Band. Er spielte wohl später noch eine zeitlang bei „Hugo“ Laartz in der „Modern Soul Band“, dann aber verliert sich seine Spur. Für ihn kam „Delle“ Krise, der heute seinen "Hauptsitz" am Schlagzeug von „Renft“ hat. Bis 1984 hatte er bei „Passion“ getrommelt und war nach der Auflösung dieser Prog-Rockband in „Cäsars Rockband“ eingestiegen. Doch schon ein Jahr später beendete er die Zusammenarbeit mit Jonathan. Für ihn kam Jürgen Schütz. Schütz hatte schon bei „Zenit“ und anschließen bei Peter „Cäsar“ Gläser getrommelt. Und trommeln tut er noch heute bei „Blank“.

 

Zu einer Zeit, als die meisten Bluesbands der DDR und ihre Fans bereits in den „Ruhestand“ gegangen waren und die Punks ihre Rolle übernommen hatten, bekam die „Jonathan-Blues-Band“ einen Plattenvertrag beim DDR-Label „Amiga“, und gelangte so zu späten Ruhm. Die Langspielplatte (LP) „Überdruck“ wurde 1987 veröffentlicht und wurde unter die besten drei Alben des Jahres gewählt. Für die Musik aller auf dieser LP enthaltenen Titel zeichnet Pabst verantwortlich. Von ihm stammen auch die meisten Texte. Songs wie „Daddys Boogie, Hautnah bei mir“ oder „Blues in der Nacht“ sind noch heute im Repertoire der Band. Der Text von „Wer ich bin“ stammt übrigens von Engerling-Frontmann „Boddi“ Bodag. Er hat auch den Text zu dem späteren „Katzenfreund“ geschrieben, einer meiner Favoriten aus dem Jonathan-Programm.

 

Im Jahr 1989 unternahm die „Jonathan-Blues-Band“ gemeinsam mit der „Hof-Blues-Band“ nochmals eine Tour durch die DDR, die in jener Nacht als die Berliner Mauer fiel, in einem Ostberliner Klub endete. Die Band überlebte als eine der wenigen Bluesbands sowohl das Endes des Bluesbooms in der DDR, als auch das Ende der DDR. Doch mit Blues war nach der politischen Wende kein Geld mehr zu verdienen. Die Gigs blieben anfangs ganz aus und wurden später seltener. Der Urköpenicker Pabst fand eine Anstellung im Köpenicker Rathaus. Seine Bandkollegen verdingten sich nebenbei in anderen Bandprojekten. Inzwischen war Olli Becker ans Schlagzeug gerückt. Er brachte die notwendige Erfahrung mit. Hatte er doch zuvor schon bei „Jessica“ und Hansi Biebl getrommelt. Becker blieb bis 2005 und sitzt seit 2007 bei „Speiche’s Monokel Band“ hinter dem Schlagwerk. Sein Job hat bis heute Mathias Fuhrmann inne. Seit 2011 trommelt Fuhrmann auch bei der ältesten deutschen Soulband „Modern Soul Band“.

 

Jonathan ist heute noch immer on stage, allerdings hat sich das Repertoire deutlich verändert. Mit Vorliebe spielt die Band heute die Songs ihrer Idole und internationale Bluesstandards. Doch eines ist bis heute geblieben; geht man heute wie damals zu einem Jonathan-Konzert, dann kann man sich sicher sein, auf hochkarätige Gastmusiker zu treffen. So arbeitete man in den frühen Jahren eng mit Hans die Geige und den Harper Bernd Kleinow zusammen. Der leider viel zu früh verstorbene Igor Flach stand mit 18 Jahren an der Seite von Peter Pabst, bevor er 1987 zur „Passat Blues Band“ wechselte. Eine zeitlang hat auch Ed Swillms (ex-Panta Rhei, Karat) mit der Band zusammen gearbeitet. Stammgast ist seit Jahren Matthias „Matze“ Stolpe (harm). Auch Christiane Ufholz, die einst bei den „Butlers“ bzw. der „Klaus-Renft-Combo“ und später bei „Lift“ Karierre gemacht hat, arbeitet gelegentlich mit Jonathan zusammen. Weitere regelmäßige Gäste sind u.a. Henry Kotowski (ex-Sputniks), Gerhard „Hugo“ Laartz (Modern Soul Band), „Kuhle“ Kühnert (Monokel) und Mike Kilian (Rockhaus). In 2012 haben wir Peter Pabst das Comeback des Ostrock-Traumpaars Angelika „Lütte“ Mann und Reinhard „Lacky“ Lakomy zu verdanken. Bleibt abzuwarten, wen wir denn demnächst mit der „Jonathan-Blues-Band auf einer Bühne erleben dürfen.

 

(Mai 2012)

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