2013

* 13. Dezember 2013: Sonnenköppe Bluesnacht in Dessau
Ist es nur Begeisterung oder schon Besessenheit? Egal, auf alle Fälle ist es bemerkenswert, was in Dessau passiert. Da finden sich 4 Bluesliebhaber, gründen eine Bruderschaft, ordern eine Location und holen den Blues in die Provinz. Seit März 2012 finden nun schon die Dessauer Bluesnächte in schöner Regelmäßigkeit statt. Und die Weihnachts-Jam-Sessions sind zweifelsfrei Höhepunkte. Man lässt das Bluesjahr Revue passieren und holt sich dazu eine Auswahl bekannter Bluesmusiker ins Haus.
Das Haus - ist die Raststätte "Sonn'nekeppe", die ziemlich weit draußen im südlichen Dessau gelegen ist, und offensichtlich nicht nur für Ortsfremde nicht ganz einfach zu finden ist. Selbst der Taxi-Fahrer, der uns vom Hotel "Fürst Leopold" in die Polysiusstraße 1 bringen sollte, hatte seine Probleme damit. Wie sonst ist es zu erklären, dass er den doppelten (!) Fahrpreis seiner Kollegin erhob, die uns in den frühen Morgenstunden zurück ins Hotel brachte.
160 zahlende Gäste waren in die "Sonn'nekeppe" gekommen. Der Laden war mehr als nur gut gefüllt. Es war kaum ein Durchkommen. Mancher war sogar auf eine Bierkiste geklettert, um das Geschehen auf der improvisierten Bühne sehen zu können. Andere konnten das Ereignis nur per Monitor verfolgen. Wie mir Hendrik, einer der Bluesbrüder, verriet, wird das Publikum von Veranstaltung zu Veranstaltung immer zahlreicher. Mir schien, das Limit sei erreicht. Und dennoch klappte alles wie am Schnürchen!

12 namhafte Musiker waren gekommen, um dem Dessauer Publikum eine heiße Bluesnacht zu bereiten. In der 'Startformation' standen Peter "Dodge" Schmidt (g, voc), "BluesRudy" (g, voc), Bernd Kleinow (harp), Andreas "Böckchen" Bock (dr) und Marco Jovanovic am Kontrabass.
Der ostdeutsche Bluesfreak kennt Schmidt spätestens seit Ketzin 1983. Nach "Handarbeit" folgte die legendäre "East Blues Experience". Heute ist er meist solistisch oder mit seinem 'Bluesbruder' "BluesRudy" unterwegs, der aus der ostdeutschen Blues-Szene nicht mehr weg zudenken ist.
Bernd Kleinow ist schon fast eine "Harp-Legende"; steht er doch seit frühster Jugend auf den Bluesbühnen des Landes und hat schon fast mit allen namhaften Bands von Diestelmann bis zur "Jonathan Blues Band" zusammen gearbeitet.
Dem Berliner Bock eilt der Ruf voraus, einer der versiertesten europäischen Bluesdrummer zu sein. Ihn sah man schon oft an der Seite von Schmidt & "BluesRudy". Auch hält er neben Bernd Kuchenbecker (b) und Niels von der Leyen (piano), die später die Bühne entern sollten, im gleichnamigen Trio seit Jahren einen Stammplatz.
Doch vorerst bediente der Wahlberliner Marco Jovanovic den Kontrabass. Jovanovic ist von Haus aus Harper, Profimusiker und ein langjähriger Freund von "BluesRudy".
Die Herren kennen sich also und standen nicht zum ersten Mal gemeinsam auf einer Bühne. Vielleicht erklärt dies das perfekte Zusammenspiel, ganz ohne Proben!!!

Es dauerte nicht allzu lange bis zum ersten Highlight des Abends. Plötzlich erklang "Crawfish". Diesen Song hörte ich das erste Mal bei dem unvergessenen Igor Flach. Eines seiner letzten Konzerte mit "LausitzBlues" im "Real-Music-Club" Lauchhammer wurde mitgeschnitten und 2009 auf CD veröffentlicht. Und eben jenes "Crawfish" gehört für mich zu den besten Nummern dieser Scheibe.

Inzwischen wechselten die Akteure des öfteren. Und wieder war ich beeindruckt, wie da alles zusammen passte. Besonders fiel mir das auf, als sich Joris Hering die Gitarre umgehangen hatte und an das Mikrofon getreten war. Begleitet wurde er von Peter Schmidt und Bernd Kuchenbecker (Kontrabass). Am Piano hatte inzwischen von der Leyen Platz genommen. Kuchenbecker und von der Leyen spielen nicht nur im "Niels von der Leyen Trio" zusammen, sondern machten sozusagen auch 2/3 der Hannoveraner Band "Boogie Rockets" aus. Hering begann mit dem SRV-Song "Texas Flood". Diesen Titel kann man inzwischen getrost zu den Blues-Klassikern zählen und dürfte allseits bekannt sein. Aber als der Frontmann der Joris Hering Blues Band dann mit "Katze" einen seiner Eigenkompositionen zu Gehör brachte, und seine Begleiter ohne Probleme mit hielten, wurde klar: hier sind Profis am Werk.
Inzwischen war auch ein special guest auf die Bühne gekommen. Der US-Amerikaner und in Berlin lebende Ben "King" Perkoff (sax) hatte sogar einen eigenen Fanklub aus dem Südharz mitgebracht.
Auf einen weiteren special guest war ich schon den ganzen Abend gespannt. Der Auftritt des Rockers Georgi "Joro" Gogow (vio, g, b, voc) war in meinen Augen ein weiterer Höhepunkt. Er, dem die Ostrockband "City" mit "Am Fenster" neben "Cassablanca" ihren größten Erfolg zu verdanken hat, spielte mit den Bluesern als habe er nie etwas anderes getan. Unglaublich! Wo hat der Mann nur plötzlich den Blues her?
Mit Drummer Hans-Jürgen Beier war an diesem Abend ein weiterer Ostrocker am Start. Beier sitzt seit 2009 bei "Transit" am Schlagzeug.
So verging die Zeit wie im Flug. Das Motto der Dessauer Bluesnächte lautet: Blues für die Seele und die Sohle. Und tatsächlich - trotz der Enge fanden die Dessauer noch immer einen Platz, um den Blues zu tanzen. Während man in Dessau sehr genau auf einen pünktlichen Beginn achtet, nimmt man es mit dem Ende nicht so genau. Erst recht nicht, wenn man eine Schar erlesener Musiker zu Gast hat. Dennoch fand auch dieser Abend ein Ende, auch wenn dieses in den frühen Morgenstunden lag. Vielen Dank an die Akteure und an die Bluesbruderschaft, ganz besonders an Hendrik für die Einladung und die herzliche Aufnahme. Eines steht fest: Dessau! Ich komme wieder!


* 16. November 2013: Popa Chubby im Berliner Postbahnhof
Mein Überraschungsgast des Abends war nicht etwa Popa Chubby. Ich wusste ja, dass er kommen würde. Manch einer im Saal hatte ihn schon sehnsüchtig erwartet. Nein, die Überraschung war: "Letscho" in Berlin. Wer hätte das gedacht? Und mitgebracht hatte er den halben Rockclub aus Frohburg.

Das "Quasimodo" ist für Popa Chubby längst zu eng geworden. Nicht etwa wegen seiner Leibesfülle, sondern wegen seiner stetig wachsenden Anhängerschar. So war man erneut in den "Fritz-Club" umgezogen, der ordentlich gefüllt war.

Die vor Konzertbeginn abgeschlossene Wette hatte ich verloren. An diesem Abend saß der Meister nicht erst nach der zweiten Nummer, sondern bereits von Beginn an. Mir ist es eigentlich egal, ob er uns stehend oder sitzend 'beglückt'. Hauptsache es rockt ordentlich. Das tat es dann auch; fast 3 Stunden lang. Davon gingen allerdings gut 20 Minuten für das unvermeidliche Drum-Duell 'drauf, welches mir eindeutig zu lang ausfiel. Offensichtlich ging es nicht nur mir so, denn vereinzelt waren "Gitarre"-Rufe aus dem Saal zu vernehmen. Aber mindestens ebenso lang war dann der Zugabeblock, der mit "Hallelujah" begann, bei dem der ganze Saal mit sang.

Auch an diesem Abend bot uns Popa, der mit bürgerlichen Namen Theodore Joseph Horowitz heißt, einen ausgewogenen Mix aus Coversongs und eigenen Stücken; vorzugsweise von seinem neuen Album "Universal Breakdown Blues", welches von der Fachwelt einheitlich als sein bislang Stärkstes bezeichnet wird, was möglicherweise daran liegen mag, dass er sich auf dieser Scheibe wieder stärker am Blues orientiert. Spätestens als "Ain't Givin Up" erklang, wurde auch mir klar weshalb! Übrigens mit seinen Coverversionen beispielsweise "Hey Joe" oder "Symphaty For The Devil" - der Opener des Abends - kann ich sehr gut leben, tragen sie doch deutlich seine Handschrift.

Begleitet wurde er von Erik Boyd (b) und Filipe Tores (dr). Mir scheint, es lohnt nicht, sich diese Namen zu merken. Popa hatte kürzlich auf Facebook gepostet, er würde für 2014 eine neue Band suchen. Wir sind gespannt!

* 09. November 2013: Reverend Shine's Snake Oil Company in Berlin
* 08. November 2013: Double Vision und Engerling in Falkensee
Das Partyzelt war schnell gefunden, nur der Eingang nicht! Kaum war ich drin, da schallte es mir aufgeregt entgegen: "Hast Du eine E-Saite mit?" Die Band hatte ein Problem. Nein, hatte ich nicht! Ja, wenn man mich nach einem Kamm oder einem sauberen Taschentuch gefragt hätte, hätte ich aushelfen können. Nach einigen Telefonaten kreuz und quer war das Problem noch rechtzeitig vor dem Auftritt gelöst. Doch bis dahin dauerte es noch eine ganze Weile. Die Zeit wurde trotzdem nicht lang, es waren ja eine Menge bekannter Gesichter da. Und aus einigen virtuellen Bekanntschaften wurden an diesem Abend auch persönliche.

Dann ging es endlich los. "Double Vison" betrat die Bühne. Neben Stephan Graf und Silvio Remus stand ein neues - wenn auch nicht unbekanntes - Gesicht auf der Bühne. Bassist Torsten Sieboldt 'treibt' sich zur Zeit irgendwo in North Carolina herum, so war kurzerhand Stefan Kerth eingesprungen und tat so, als würde er schon immer dazu gehören! Urplötzlich brach ein unheimlicher Budenzauber los. Nein, erschrocken war ich nicht. Es war ja nicht unser erstes Zusammentreffen. Bei "Double Vision" rockt und groovt es von der ersten bis zur letzten Minute. Ein fetter Sound dröhnt aus den Boxen, den die Band "Blues 'N Roll" nennt. Frontmann Graf fegt wie ein Derwisch über die Bühne, vollzieht Tänze und Sprünge. Ein Wunder das er jedes mal wieder auf beiden Beinen landete. Eine derartige Bühnenpräsenz kenne ich maximal von "The Brew" her.

Natürlich brachten die 'jungen Wilden' aus Thüringen auch an diesem Abend eine Gallagher-Nummer an der anderen. Ich als bekennender Rory-Fan habe bestimmt kein Problem damit. Dennoch ist "Double Vision" längst keine 'reine' Tribut-Band mehr. Immerhin haben sie schon drei Alben mit eigenem Material veröffentlicht, von denen "Blues 'N Roll" als die gelungeneste Scheibe gilt. Von diesem Album erklang an diesem Abend "Evil Water". Mit "Draggin' Me Down" - eines ihrer frühen Werke - folgte dann ein richtiger Kracher ganz nach meinem Geschmack! Es gab auch ein paar Klassiker im Programm. Stephan spielte beispielsweise eine wunderschöne Akustik-Nummer  von Leadbelly (1889 - 1949). Er war es übrigens, der mich mit "Roberta" oder "Goodnight Irene" zu den Wurzeln des Blues brachte. Bei Chuck Berry kam dann Papa Friedel Graf auf die Bühne und unterstützte den Dreier mit dem Saxofon.

Nach einer kurzen Umbaupause - es war inzwischen 22:30 Uhr geworden - kam dann die beste Stones-Cover-Band. O.K, auch wenn beide Hände nicht ausreichen würden, um aus dem Stegreif alle mir bekannten Bands aufzuzählen, so kenne ich doch nicht alle! Deshalb sollte ich dem Prädikat den Zusatz: "meiner Wahl" anfügen. Nein, das Besondere an diesem 'Engerling-Nebenprogramm' ist, man bekommt mit Sicherheit nicht das übliche 'Zeugs' zu hören. Das waren auch Boddis Begrüßungsworte, gerichtet an Stones-Hardcore-Fans. Im Repertoire von "Engerling"  befinden sich Sachen, die man selten hört oder gar gar nicht kennt, wie beispielsweise "Sway" oder meinen Favoriten "Sitting On A Fence".

Die Engerlinge hatten sich Verstärkung mitgebracht. Schon lange hatte ich Franz "Ufo" Albinger (sax) nicht gesehen. Auch Gitarrist Hannes Funke ist schon Stammgast der ostdeutschen Legende. Auch wenn es die Herren im gesetzten Alter etwas gelassener auf der Bühne angehen ließen, dauerte es nicht lange, bis auch der Letzte der etwa 300 Leute im Zelt in Bewegung geriet. Es hatte sogar den Anschein, das Niemand "Satisfaction" vermissen würde.

Übrigens, "Spreewilder" hatte mit der Location genau die richtige Wahl getroffen, denn wenn "Engerling" spielt, dann ist immer Party!
I'ts only Rock 'n Roll!

* 02. November 2013: Johnny Mastro & Mamas Boys in Altdöbern
Berlin hat etwa 3,5 Millionen Einwohner. Gerade mal 40 hatten am Vortag den Weg ins "Garbaty" zum Gig mit Johnny Mastro & Mamas Boys gefunden. Aber der Schuldige war schnell auszumachen. Bis 2 Tage vor dem Konzert war auf der Seite des Veranstalters kein Hinweis zu finden. Auch Plakate waren nirgendwo zu entdecken. Ist doch traurig, oder?

Wieviel Einwohner hat Altdöbern? Zweihundert... oder Dreihundertfünzig ? Wenn dem so ist, waren die alle ins geschichtsträchtige "Schützenhaus" am Weinbergsweg gekommen. Der Saal war rappelvoll. In der Lausitz ist halt alles anders. Dort hat man den Blues noch immer.

Der geplante Konzertbeginn war verdächtig nah herangerückt. Von der Band war noch keine Spur zu sehen. Veranstalter und Tourmanager wurden sichtlich unruhig. Am Tourbusfahrer jedenfalls kann es nicht gelegen haben, denn der kennt diese Gegend wie seine Westentasche!

Bis etwa 21:30 Uhr musste sich das Bluesvolk noch gedulden, aber Langeweile kam deswegen trotzdem nicht auf. DJ Bunzel legte ordentlich auf. Das Bier floss in Strömen und zu erzählen hatte man sich auch jede Menge. Angereist war man aus Dresden, dem Erzgebirge, Leipzig, Falkenberg und Plauen. Und auch ich war nicht der einzige Berliner. Man kennt sich halt!

Dann trat Gerd ans Mikrofon, um seine Gäste zu begrüßen. Ich staunte nicht schlecht, als er da oben plötzlich begann vom "Blueser54" zu erzählen. Zum Glück war es im Saal ziemlich dunkel, so dass es keiner mitbekommen haben dürfte, falls meine Wangen Farbe bekommen haben sollten! (Danke, Gerd!)

Danach trat Tourmanger Bernd Schulte ans Mikrofon, um uns seine Band vorzustellen. Eigentlich war dies überflüssig. Spätestens seit Spremberg kennt hier jeder Johnny Mastro & Mamas Boys. Übrigens, falls Bernd gerade mal nicht mit der Band tourt, moderiert er beim Radiosender "Ems-Vechte-Welle" die Sendung "Rock This House" und sorgt für guten Blues.

Dann war es endlich soweit. Die Band nahm ihre Instrumente auf. Doch bevor sie loslegen konnten, erklang aus über dreihundert gut geölten Kehlen ein Geburtstagsständchen für Johnny. Ist doch irre! Da kommt der Mann aus New Orleans, wo er und Smokehouse Brown inzwischen leben, in das "Nest" in der Lausitz, um mit uns seinen Geburtstag zu feiern. Johnny war nicht nur überrascht, sondern auch sichtlich berührt.

Um es gleich vorweg zu nehmen, natürlich geriet dieser Abend zum erwarteten Happening. Aber für mich wurde erneut bestätigt, was ich inzwischen längst wusste. Diese Band ist einfach nicht für Säle gemacht. Unvergleichlich bleibt das Konzert im Sommer 2011 in der kleinen, total überfüllen "Extra Blues Bar" in Bielefeld. Dort wackelten die Wände, bebte die Erde. Unvergessen der Augenblick, als der sonst so coole Smokehouse Brown plötzlich von der Bühne sprang und direkt vor mir auf dem Tisch landete, natürlich die unvermeidliche Kippe im Mundwinkel, seiner Gitarre diesen unvergleichlichen Sound entlockte, der meinen Brustkorb kitzelte und sich tief in meine Ohren bohrte.

Auch in Altdöbern brauchte die Band nicht lange, um auch den Letzten, der etwa 400 Leute im Saal zu erreichen. (Gerd hatte mir geflüstert, in den besten (DDR)-Zeiten sollen sich auch schon mal an die 600 Leute im Saal gedrängt haben). Und wieder hauten uns die Amis ihren auf den Punkt gespielten, dreckigen und harten Chicago-Blues der 50er Jahre um die Ohren!
Im Repertoire konnte ich nichts Neues entdecken. Das ist auch nicht verwunderlich, besitze ich doch inzwischen längst alle bisher veröffentlichen 6 Alben und habe sie inzwischen sechs oder sieben Mal live erleben können. Ich zähle schon lange nicht mehr mit! Ihren Namen bekamen die Boys übrigens von Mama Laura Mae Gross - der Chefin des ältesten Bluesclubs von Los Angeles, wo sie von 1996 bis 2010 die Hausband waren.

Wer die Band inzwischen schon sooft erlebt hat wie ich, erwartet keine Überraschungen mehr. Doch etwas Neues gab es schon! Zum ersten Mal hatten sie ihren relativ neuen Drummer Steve Kida, der in Spremberg verhindert war, mit nach Old Germany gebracht. Es war schon beeindruckend mit welcher Wucht dieses Leichtgewicht die Felle bearbeitete.

Doch leider gehen derart Abende viel zu schnell vorbei; für mich sogar vorzeitig. Leider lebt nicht einmal DER Blueser vom Blues allein. Freuen wir uns auf ihren nächsten Besuch bei uns im "wilden Osten". Aus Insiderkreisen war längst zu erfahren, dass bereits hart daran gearbeitet wird, die Band im Sommer erneut in unsere Gegend zu holen. Spätestens aber zum 40. Bandjubiläum von Monokel werden wir sie wiedersehen. Das haben uns die Veranstalten vom Hotel "Zur Post" in Spremberg, die Kraftblueser und Johnny selbst schon längst versprochen!

* 12. Oktober 2013: Dynamite Daze in Leipzig
Mit mindestens einem weinenden Auge machte ich mich auf dem Weg nach Leipzig. Immerhin hatte ich mich gegen "Hogjaw" entschieden. Längst muss ich mich ständig gegen wen oder was entscheiden. Ein Blick auf den randvoll gefüllten Terminkalender beweist es.
Das andere Auge zwinkerte zuversichtlich. Ich war gespannt auf den 'Tanz mit dem Teufel'. Inzwischen ist "Dymanite Daze" auch im Osten nicht mehr gänzlich unbekannt. Manch einer erinnert sich gern an ihre Auftritte zum Bluesfasching in Apolda oder dem Open Air in Waffenrod. Wir aber hatten unsere erste Begegnung.

Pünktlich um 20.00 Uhr betraten die 'Südstaatler' die kleine Bühne im Unter-Rock. Frontmann Didi Dynamite (voc, harp) forderte rotes Licht ein und bekam es auch. Und schon ging es los mit "Red Light Lady".
Hallelujah! Was war denn das?
So einen 'dreckigen' Blues kannte ich bislang nur von "Johnny Mastro & Mama's Boys". Aber Didi setzte mit seiner rauchigen Stimme noch einen oben auf. Das war nicht nur dreckig - das war Blues aus der Gosse! Wahnsinn!

Eine klassische Bluesband sind die vier Herren, die inzwischen seit 2010 zusammen spielen, nicht. Obwohl sie allseits als Krautbluesband gehandelt werden, wurde mir schnell klar, sie scheren sich einen Teufel um Schubläden und machen ihr eigenes Ding. Es war bemerkenswert, wie sie mit jeder neuen Nummer mit den Stilen experimentierten; fast jonglierten.
Und wieder suchte ich vergebens nach einer Setliste. Fehlanzeige! Die Jungs spielten fließend aus dem Bauch heraus. Didi, Gitarrist Martin Czemmel und der Italiener Andrea Tognoli am Bass waren perfekt aufeinander eingespielt, während der Schotte Colin Jamieson gelassen hinter dem Schlagzeug residierte. Natürlich gab es vorzugsweise Songs vom brandaktuellen und inzwischen hoch gelobtem Album zu hören, wie sich mir erst später erschloss. Und es gab es einen astreinen Slow-Blues. Mit "Red in Heaven" ehren sie Louisiana Red, dessen letzte feste Begleitband sie waren. Der Meister hätte seine wahre Freude an dieser Nummer gehabt. Ungeachtet der vorhandenen Lücken in den Zuschauerreihen, in denen ich mit Erik Heyner auch einen waschechten Leipziger Bluesmann entdecken konnte, veranstaltete "Dynamite Daze" über gut 3 Stunden einen Budenzauber vom Feinsten. Spätestens bei "Tango With The Devil" wagten dann doch einige der Anwesenden die ersten Tanzschritte.
Das "Rolling Stone Magazin" hatte einst über die Band geschrieben, sie wären "die deutsche Antwort auf Tom Waits und Captain Beafheart". In meine Augen jedoch war die Show eine gelungene Kombination aus den "Blues Brothers" und einer gehörigen Prise Voodoo. Der alte Screamin Jay Hawkins lies grüßen.

Auch dieser Abend ging viel zu schnell vorbei. Lange 200 Autobahnkilometer lagen vor mir. Ausreichend Zeit, um mir das neue Album anzuhören. (Danke, Didi!)

"I'm dirty and I'm hungry it's a sin and a shame.
I drink booze with the devil.
Blues is only my name."


* 04. Oktober 2013: Julian Sas im Maschinenhaus Berlin
Pünktlich auf die Minute bahnte sich das Power-Trio Julian Sas (voc, g), Tenny Tahatma (b) und Rob Heijne (dr) den Weg durch die Masse und betrat die Bühne. Manch einer der etwa 200 Anwesenden hatte Julian Sas (29.5.1970 in  Beneden-Leeuwen/Niederlande) schon sehnsüchtig erwartet. Sein letzter Berlin-Besuch fand immerhin schon im April 2009 statt. Meine erste Begegnung mit dem sympathischen Holländer fand etwa zur gleichen Zeit statt. Das war allerdings im Kölner "Palladium". Damals stand Sas als Support für "Lynyrd Skynyrd" ebenda auf der Bühne. Ein Erlebnis, an welches ich mich gerne erinnere.

Vergebens suchte ich zu seinen Füßen nach einer Setliste. Offensichtlich hat der Meister dies nicht nötig. Ich hatte aber eher den Eindruck, er wollte sich so ausreichend Möglichkeit für Spontanität und Improvisation lassen. Wenn dem so war, war es ihm nicht anzumerken. Routiniert tat er seine "Arbeit". Mir jedenfalls wurde dadurch die Möglichkeit genommen, sein Repertoire hier zu interpretieren.
Einzig besitze ich sein aktuelles Album "Bound To Roll". Ich glaube, einige der Songs wieder erkannt zu haben. Ich bin mir aber nicht sicher. Ehrlich gesagt, klang manches ziemlich ähnlich. Auf "Bound To Roll" bedient Sas vorzugsweise übliche Blues-Klischees wie Liebe, Leid und Trauer. Diese Themen kommen nicht von Ungefähr, verarbeitet er doch auf dieser Scheibe einen schmerzlichen Verlust, welchen seine Familie damals hinnehmen musste.

Von Anbeginn entfachte das Trio ein mitreißendes Feuerwerk. Es war ein Genuss zu beobachten, wie Sas ständig zwischen sanften Tönen, langsamen Tempi und heißen Boogie-Rhythmen, bei denen seine Finger wie wild über die Saiten glitten, wechselte. Selbst Bob Dylans "Highway 61" geriet bei Sas zu einer schweißtreibenden Boogie-Nummer. Seine Version war eindeutig der Bringer an diesem Abend. Spätestens nun begann auch der Letzte im Saal seine Körperteile in Bewegung zu bringen. "Highway 61" blieb nicht die einzige Cover-Nummer. Von Gallagher bekamen wir "Shadow Play" zu hören. Spätestens jetzt war klar geworden, von wem sich Sas wesentlich inspirierensst. Gut so!
Und wieder einmal ging ein herausragendes Konzerterlebnis viel zu schnell zu Ende. Bleibt zu hoffen, dass unser Zusammentreffen nicht wieder solange dauert. Seelow, ich komme!
 
* 03. Oktober 2013: Modern Earl in Teltow
* 29. September 2013: Frühstück mit Rob Tognoni in Braunschweig
Doch vor dem Frühstück gab es eine heiße Rocknacht mit eben jenem Herrn in "Barnabys Bluesbar", die sich keine 100 Meter entfernt vom "Stadthotel Magnitor" befindet, in dem ich untergekommen war. Übrigens, mit Empfehlung der Bluesbar bekommt man dort einen fetten Rabatt.

Die Bluesbar entpuppte sich als kleiner, aber feiner Laden; bestens geeignet um die Akteure hautnah zu erleben. Das Ambiente war stimmig. Besonders wohltuend war die freundschaftliche Aufnahme durch das Team der Bar, nachdem ich offensichtlich schon beim Eintreten als Fremder geoutet worden war. Ein lauschiges Plätzchen unweit der Bühne, von dem aus das Geschehen auf der Bühne bestens zu verfolgen war, war schnell gefunden. Doch lange hielt ich es auf dem Plätzchen nicht aus, denn das was dann kam war 'Krach' nach meinem Geschmack!
Auch über Rob Tognoni (30. Oktober 1960 in Ulverstone/Tasmanien) steht schon viel geschrieben; besser noch man hört ihn. Routiniert und voller Leidenschaft bot er eine etwa 2,5 Stunden währende Show, die aus einer Mischung eigener Songs und einiger Covernummern bestand, von denen besonders "Hey, My My Mama" gefiel; um einiges härter als von Altmeister Neil Young gespielt.

Doch inzwischen verfügt Rob selbst über ausreichend Material, von dem manches ziemlich ähnlich klingt, was für mich jedoch keinen Mangel darstellt. "Rock 'n Roll can never die" !
Während der Bussiness Man vom Album "Ironyard Revisited" aus dem Jahr 2008 noch ziemlich geradliniger Bluesrock war, wurde Tognoni zunehmend härter. Deutlich zu hören beispielsweise bei "Stolen Heart" und "If The Weather...". Beide Nummer stammen von seinem aktuellen Album "Casino Placeboy", die er uns nach der Pause brachte. Im Anschluss folgte das etwas gediegenere "Blue Butterfly"; nicht minder gut. Doch der Bringer war in meinen Augen "Product Of A Southern Land" . (Woran das nur liegen mag?)

Tognonis harter, frischer Gitarrensound wurde durch eine perfekt eingespielte Rhythmusgruppe unterstützt. Drummer Marc Descamp war nicht zu überhören und Bassist Rene Stock leistete eine schweißtreibende Arbeit. Das war weit aus mehr als 'Fleißarbeit'. Der Meister bot Beiden ausreichend Freiraum für ausgedehnte Soli. Klasse!
Den Sound der Band würde ich als einen Mix aus erdigem Blues und kompromisslosem Hardrock gewürzt mit einer Brise Boogie bezeichnen.

Mit dem "Jim Beam Blues", eines seiner frühen Werke, leitete Tognoni das Ende der Show ein. Doch gehen ließ man die Jungs noch lange nicht. Zum Ende hin wurde es nochmals richtig heftig. Der ausgedehnte Zugaben-Block wurde eingeleitet mit "This Is Rock'n Roll". Ja, das war es und zwar vom Feinsten. Ein Abend, der geeignet war, um mal wieder so richtig 'abzuzappeln'.




* 25. September 2013: Layla Zoe & Band in der Kulturbastion Torgau
Ohne Frage gehört die Kulturbastion zu meinen Lieblingsläden. Und wenn dann noch eine Power-Blues-Lady - von denen es zum Glück eine ganze Reihe gibt - auf dem Programmzettel steht, ist eine Reise nach Torgau um so lohnenswerter.

Es ist kurz nach 20.00 Uhr. Die Band betritt die Bühne. Da steht sie nun vor mir, keine drei Meter entfernt. Jene Frau, die in ihrer Heimat liebevoll "Darling of the Blues" genannt wird. Klein, zierlich, ja sogar anmutig steht sie da auf der Bühne. Und bei ihrem Anblick wird man unweigerlich in eine längst vergangene Zeit versetzt. Jugenderinnerungen werden wach.
Dann beginnt sie mit "Glory, Glory Hallelujah"; a capella gesungen. Urplötzlich verstummt der Saal. Schon mit den ersten Tönen hat die Frau mit der rotblonden, schulterlangen Mähne das Publikum in ihren Bann gezogen. Wie oft wurde wohl dieser Gospel-Klassiker schon kopiert? Doch ihre Version hat etwas ganz Besonderes. Gänsehaut-Feeling macht sich breit. Und schon zieht manch einer im Saal Vergleiche mit der unvergessenen Janis Joplin. In meinen Augen jedoch geht Layla Zoe glattweg als die jüngere Schwester von Beth Hart durch. Warum in die Ferne resp. Vergangenheit schweifen.
Schon mit der zweiten Nummer werde ich in die Gegenwart versetzt. Mit "I Choose You" folgt ein knallharter Blues-Rock. Diese Nummer stammt von ihrem brandneuem Album "The Lily", welches sie mit Henrik Freischlader eingespielt hat. Der pure Gegensatz.
Gegensätzlich geht es weiter. Auf rockige Nummern folgen gefühlvolle Bluesnummern, wie "Gemini Heart". Der Höhepunkt aber kam im zweiten Teil mit dem über 8 Minuten langen Slow-Blues "Father".
Ihre Stimme fasziniert. Mal klingt sie kraftvoll und laut; mal ist sie leise, fast wispernd. Sie schreit, haucht und stöhnt den Blues und es scheint, als ginge sie vollends in ihren Songs auf. Dabei hüpft, schwingt, tanzt und schwebt Layla über die Bühne. Selten bekam ich so eine authentische Performance geboten. Und schwieg ihre Stimme, dann schlug die Stunde ihres Gitarristen Jim Laaks.

Als man glaubte, der Abend ginge bereits zu Ende, folgte ein weiterer Höhepunkte. Bei "Give It To Me" lieferten ihre Begleitmusiker Gitarrist Laaks, der junge Bassist Gregor Sonnenberg und Hardy Fischötter sozusagen ihr Meisterwerk ab. Als danach Layla erneut ans Mikrofon trat und "R an R Guitar Man" sang, zeigte sie sich von einer neuen Seite. Zu später Stunde wurde es erotisch, hoch erotisch!
Was sollte danach noch folgen?



* 4. September 2013: FLYING EYES support: Golden Animals (USA) und Burn Pilot (D) im Forum/Bielefeld
* 25. August 2013: Lösekes Blues Gang in Hameln
Nein, zufällig war meine Anwesenheit in Hameln nicht. Ich war nur "rein zufällig" in der Gegend. Und in Hameln bot sich mir die Gelegenheit ein weiteres Mal eine der ältesten und langlebigsten deutschen Blues-Formationen erstmalig live zu erleben.
Stöbert man etwas in der über 40jährigen Bandgeschichte, so stolpert man über eine ganze Reihe von interessanten Namen - Urgesteinen der Hildesheimer bzw. westdeutschen Szene, wie z.Bsp. Bernie Ringe, Jürgen Kabus, den bereits verstorbenen Uwe Bruchhäuser oder Dr. med. Kurt "Knuddel" Renner (Drittes Ohr). Die "BluesNews" schrieb einst über die Hildesheimer Band: " Wer diese Band live verpasst, ist selber schuld."
Wer will schon schuldig gesprochen werden?
Außerdem bot sich mir so die Möglichkeit, die "seltsamen Typen" kennen zu lernen, die schon zu DDR-Zeiten enge Kontakte zur ostdeutschen Blues-Szene pflegten. Vielleicht war ja auch in Erfahrung zu bringen, ob diese Verbindungen letztlich dazu führten, dass der Diestelmann 1984 nach seinem Solo-Auftritt in Hildesheim nicht in die DDR zurück kam.
Die Entscheidung, wo ich meinen Sonntagnachmittag verbringen würde, war also schnell getroffen.
Voller Erwartungen kam ich in Hameln an, einer Stadt, die ich bislang nur ob ihrer Legende kannte. Der Münsterkirchhof war schnell gefunden. Gefunden habe ich auch ein schattiges Plätzchen an einem der zahlreichen Biertische - so langsam gewöhne ich mich auch an das Herforder Pils - , von dem aus ich das emsige Treiben während der Umbaupause auf der Bühne beobachten konnte.

Irgendwann ging es dann auch los. Natürlich war mir bewusst, dass auf einem Volksfest das ach so geliebte Blues-Feeling ausbleiben würde. Die Band zeigte sich sich von Anbeginn gut aufgelegt. Das Wetter spielte mit. Was will man mehr?
Los ging es mit "Believe I'm In Love". Ich denke, diese Nummer erstmalig bei "The Fabulous Thunderbirds" mit Jimmie Vaughan gehört zu haben. Nach "Love Recall" folgte dann "Boogie With My Baby" ; eine Nummer von Nick Curren. Curren war am 6. Oktober 2012 mit nur 35 Jahren an einem Krebsleiden verstorben. Schon diese Auswahl ließ mich aufhorchen. Das ganze Programm bestand aus einem abwechslungsreichen Mix eigener Nummern, bekannter Bluesklassiker und Coversongs, die in meinen Augen nach Raritäten "rochen". Wer bitte kennt schon den "Vatican Bues" eines Georg Harrison? Auch den Curren zähle ich dazu. Von dem gab es später noch "Woman In Cadillacs". Bei Spencer Wiggins wurde es richtig Soulig. Dies kommt nicht von ungefähr. Verstärkt sich die Band doch gern einmal bei ihren Auftritten mit einem kompletten Bläsersatz. Von den Klassikern gab es u.a. B.B. Kings "The Trill Is Gone", "I'ts To Late Brother" von Little Walter oder "I want To Be Loved" eines Muddy Waters. Auch eine schöne Clapton-Nummer war zu hören, den man durchaus zu den Klassikern zählen darf, ist er doch wie Muddy Waters schon zu Lebzeiten eine Legende.
Von den eigenen Titeln gefiel besonders "Red Hot Mama". Dieser Song erschien 1979 auf ihrer zweiten Langspielplatte. In der über 40jährigen Bandgeschichte hat es die "Lösekes Blues Gang" immerhin auf 4 Langrillen und 3 CDs geschafft. "Just Four Nights - The Session" nennt sich die aktuelle Scheibe, welche anlässlich des 40. Bandgeburtstages erschien.
Gefallen hat auch "Lukas Boogie Piano". Bei dieser Nummer konnte sich Tastenmann Lukas Bente so richtig austoben.

Übrigens wurde ich Zeuge des ersten öffentlichen Auftritts von Bassmann Stefan "Quasti" Quast, der erst kürzlich zur Band stieß. Kopf der Band ist Falk Stehr (voc, g). Er hat die Gang gemeinsam mit Helmut Meier am 9. Juli 1972, just an jenem Tag, an dem ich irgendwo zwischen Torgau und Leipzig meinen 18. Geburtstag feierte, gegründet. Jahre vergehen. Musiker kommen und gehen. So war es auch bei der "Lösekes Blues Gang", einer Band, die in ihrer langen Historie schon mit Memphis Slim, Blind John Davis, Errol Dixon oder Champion Jack Dupree auf der Bühne stand. Alles bekannte Namen, die in den 1980er Jahren auch in der DDR gastierten.
Heute gehören übrigens neben Stehr, Bente und Quast noch David Ludz (g), Alex Mause (dr) und Christian Hönniger (harm) zur Gang.

Fazit: Auch diese Reise hat sich gelohnt. Man sieht sich. Spätestens am 28. Dezember im "Alten Bahnhof Anderten".
* 22. August 2013: Joris Hering Blues Band support: The Minous-Bluesband in Berlin-Pankow

Etwas ungewöhnlich: Joris Hering in Zimmerlautstärke. Nun gut, schließlich war man im "Zimmer 16".
* 09. August 2013: The Brew support: Die Männer in Berlin-Biesdorf

Die Männer

Es war trocken. Die Temperatur war angenehm und Bier war auch ausreichend kalt gestellt Es waren also alle Voraussetzungen für einen netten Abend gegeben. Und der begann mit den "Männern". Die coverten sich kreuz und quer durch die 1970er und 1980er Jahre. Es waren sogar Titel dabei, die ich schon Jahre nicht mehr gehört hatte. Man gab sich redlich Mühe, um die Stimmung anzuheizen. Jedoch - vom Sesseln gehauen hat mich die Vorstellung nicht. Ich saß ja auf einer Bank.
Irgendwo las ich einmal, "The Brew" sei die Live-Sensation von der Insel. Es dürfte inzwischen bekannt sein, dass ich derartige Titulierungen und Absolutismen überhaupt prinzipiell vermeide. Eine Sensation wäre es gewesen, wenn Ufos in Biesdorf gelandet wären. Aber im Falle dieser Band kommt eine solche Charakterisierung den Tatsachen ziemlich nah. Die Band zeigte sich in Höchstform!
Als ich sie das letzte Mal erlebte - das war in Spandau im Vorprogramm von Lynyrd Skynyrd -, da waren sie weit weg, und der Funke wollte nicht so recht überspringen. Aber in Biesdorf ist alles anders. Hier ist man nah dran; sehr nah dran.
Schon mit der ersten Nummer entfachten sie ein gewaltiges Feuerwerk. Dieser "Budenzauber" hielt volle 90 Minuten an und steigerte sich zum Ende hin gar mit einem voluminösem Schlagzeugsolo. Ja ich weiß, gleiches habe ich bei Danny Louis (Gov't Mule) auch geschrieben. Aber der hier setzte noch einen oben auf: Wahnsinn!
Nun, normalerweise kommt es nicht auf die Verpackung an. Der Inhalt ist entscheidend. Aber hier stimmt einfach Beides!
Als ich sie zum ersten Mal erlebte, war noch viel "Led Zeppelin" im Programm. Inzwischen haben sie ausreichend eigenes Material für ein abendfüllendes Programm.
Man sieht sich wieder. Spätestens im März 2014 im Postbahnhof.
* 04. August 2013: Larkin in Berlin
Die Aussicht auf sommerliches Wetter, ausreichend Bier und feinen Celtic-Rock, veranlassten mich meinen Sonntagnachmittag im weltgrößten "Biergarten" zu verbringen. "Teufelsgeiger" Attila Radna, der "Larkin" 1997 zurück auf die Bühnen des Landes geführt hat, war mit seiner Truppe gerade erst von der "Too Old To Die Young" - Tour quer durch Großbritannien zurück gekehrt und war nun auf die Bühne am Frakfurter Tor geklettert, um das biertrinkende Volk auf dem alljährlichen Bierfestival bei Laune zu halten.
* 19. Juli 2013: Gov't Mule in Torgau
Mit über 1 000 Besuchern geriet das Konzert zum erwarteten Gipfel-Treffen der hiesigen Southern-Rock-Gemeinde.
Nach ihrem Berlin-Konzert in 2010 waren Warren Haynes, Jorgen Carlsson (b), Danny Louis (keyb, voc, g) und Matt Abts (dr) nun erstmalig in die neuen Bundesländer gekommen, wo es bereits seit DDR-Zeiten eine nicht unerhebliche Anhängerschar der Rockmusik aus den Südstaaten gibt. Unter ihnen zahlreiche Freunde und Bekannte - ein Großteil von ihnen hatte ich erst letzte Woche in Spremberg getroffen. Andere dagegen, die ich hoffte in Torgau zu treffen, konnte ich in der Masse nicht entdecken.
Schon wochenlang hatte man hierzulande dem Ereignis entgegen gefiebert. Ich hatte die Eintrittskarten schon vor Weihnachten geordert. Ich denke, die hohen Erwartungen an dieses Event wurden erfüllt. Wieder bekamen wir einen Weltklasse-Gitarristen geboten. Immerhin wurde Warren Haynes vom "Rolling Stone" auf Platz 23 der Liste der weltbesten Gitarristen gesetzt. Und da steht der Mann zu recht. Neben seiner ausgezeichneten Gitarrenarbeit, war ich mal wieder vom Orgelsound beeindruckt. Immer wieder lieferten sich Hayns und Louis Duelle. Herrlich! Schlagzeuger Abts beeindruckte nicht nur durch das bestaunenswerte Becken, sondern lieferte ein voluminöses Solo, wie ich es selten zu hören bekam.
Torgau: das waren 2,5 Stunden hammerharter Blues-Rock mit einer gehörigen Brise Southern-Feeling vom Feinsten, mit ausreichend Möglichkeiten für den Meister sich an seinem Arbeitsgerät aus zutoben, auch wenn mir manch einer seiner Ausflüge zu langatmig gerieten.
Als man dachte nun wäre Schluss, kam der Hammer. Eigentlich wollte ich mich schon auf dem Heimweg begeben, denn ich erwartete erhebliche Schwierigkeiten mein Auto in dem Wirrwarr wild parkender Fahrzeuge wiederzufinden. In Erwartung zahlreicher Konzertbesucher hatte die KAP das sonst übliche Open-Air-Gelände zu Lasten der Parkfläche erheblich erweitert. Zwei Zugaben gab es und die waren von Black Sabbath. Zum einen "War Pigs" vom legendären 1070er Album "Paranoid" und das ein Jahr später veröffentlichte "Sweat Leaf" !!!!

* 13. Juli 2013: Rock- und Bluesnacht in Spremberg
Alle Jahre wieder trifft sich die Fangemeinde der "Kraftbluesbrigade" in Spremberg. Und alle Jahre wieder gerät dieses Event zum Fest; nicht nur wegen der zahlreichen Gäste auf der Bühne.

Zu Beginn ein fettes Dankeschön an den Veranstalter, der nicht nur wegen des üppigen Caterings im Back Stage - Bereich dazu beitrug!
Dank an die Akteure auf der Bühne, die wegen des tragischen Ausfalls von Micha "Lefty" Linke das gesamte Programm kurzfristig umstellen mussten, und es dennoch geschafft haben!
Dank an die Fans, die auch in diesem Jahr - trotz Oettersdorf - so zahlreich erschienen sind!

Den Anfang machte das Mike-Seeber-Trio. Mikes Anwesenheit in Spremberg kommt nicht von ungefähr, hat er doch zu Texas-Mike-Zeiten längere Zeit mit Monokel-Kraftblues auf der Bühne gestanden.
Im Gegensatz zu Biesdorf fand unsere Begegnung an diesem Abend im Trockenen statt. Obwohl, regnen hätte es ruhig können. Ich stand trocken.
Die Jungs sorgten von Beginn an - in gewohnter Weise - für ordentlich Druck auf die Ohren. Mikes Programm bestand auch in Spremberg aus einem ausgewogenem Mix von Coversongs internationaler Bluesrock-Helden und ausgewählter Covernummer der ostdeutschen Blues-Legenden von Kerth bis Biebl. Bei "Daddy's Boogie" von der Jonathan Blues Band bekam er Unterstützung von Harper "Matze" Stolpe, der lange Jahre mit Pabst&Co. zusammen gearbeitet hat. Von seinem noch nicht veröffentlichtem Debütalbum gab es den "Spieler", eine gefällige, langsame Bluesnummer.
Später kamen dann noch Tobi Hillig (Moods of Ally) und Basti "Buzz Dee" Baur (Knorkator), der Mike auch am Mikrofon ablöste, sodass dieser endlich zu seiner Zigarette kam, auf die Bühne und komplettierten das Trio kurzerhand zum Sextett. Und mit 3 Klampfen an der Bühnenkante heizten die Akteure dem Publikum mit dem Thin Lizzy - Kracher "The Boys Are Back In Town" so richtig ein.

Danach folgten Johnny Mastro & Mama's Boys. Diesen Act hatte der Veranstalter extra für diesen Abend aus den Staaten einfliegen lassen. Und dank der Mithilfe von Bernd, dem deutschen Booker aus dem Emsland, hat es auch geklappt.
Es war inzwischen mein sechstes Konzert mit den Jungs aus Kalifornien. Unsere erste Begegnung fand bereits am 15.09.2009 im damaligen Exil-Garbaty statt und blieb von der hiesigen Blueswelt weitestgehend unbeachtet. Ich aber war begeistert! Dieses denkwürdige Ereignis wurde damals von "Rocktimes-Mike" in bewegten Bildern festgehalten! Auch den Lausitzern dürfte diese Band nicht mehr unbekannt sein. Sind sie doch schon in Weißwasser, Bad Muskau und im "Manitu" aufgetreten. Es war also nicht verwunderlich, dass es plötzlich beängstigend eng vor der Bühne geworden war.
Gut zwei Stunden lang rockten Johnny und die Boys das "Haus". In gewohnter Weise zelebrierten sie ihren schnörkellosen, "dreckigen" Blues, unverwechselbar durch Gesang und Harp von Johnny. Und wieder malträtierte Smokehouse Brown sein Arbeitsgerät bis zum Äußersten. Und erneut entzückte Johnny auf dem Boden kniend das Publikum. Ohne Pause wechselte er zwischen Harp und Gesang und die Songs gingen nahtlos ineinander über. Unbegreiflich, wo der Mann die Luft herholt.
Es war also wie immer! Nein! Etwas war anders. Leider hat der extrovertierte Schlagzeuger Jimmy Goodall inzwischen die Band verlassen. Ihren neuen Drummer, dessen Namen ich nicht mitbekam, haben sie in den Niederlanden "aufgesammelt".
Gespannt war ich auf die Nummern aus dem aktuellen Album "Luke's Dream", welches ich noch nicht kannte. Auch diese Songs trugen unverkennbar die Handschrift der Band.
Ich denke, für so manchen ostdeutschen Bluesfreak mag Johnnys Blues der 1940er und 1950er Jahre ungewohnt geklungen haben, aber gefallen hat es wohl der überwiegenden Mehrheit. Und sollte es einen Lausitzer gegeben haben, der nun traurig ist, weil er Johnny verpasst hat. Das ist kein Problem. Im Oktober sehen wir uns wieder. Dann spielen die Jungs aus Long Beach an legendärer Stelle im Schützenhaus Altdöbern!


Inzwischen war es längst 23:00 Uhr geworden. Zeit für Monokel.
Aus den bekannten Gründen hatte man kurzfristig das komplette Programm umstellen müssen, so dass wir es gleich von Anbeginn mit einer Monokel - Allstarband zu tun bekamen. "Lello" nahm neben Dicki Platz und trommelte mit ihm um die Wette. Mike, Basti und Tobi hingen sich die Klampfe um und traten an die Seite von "Kuhle" . Harper Matthias Stolpe gab der Sache die notwendige Würze. Und Steffi Breiting (Moods of Ally) übernahm zeitweilig das Mikrofon. Ich glaube, der Mehrheit im "Saal" waren die Akteure nicht unbekannt. Nur die Dame von der "Lausitzer Rundschau" vor mir hatte erhebliche Probleme mit der ständig wechselnden Besetzung.
Gleich zu Beginn sang Steffi gemeinsam mit "Kuhle" und Mike das "Rettungsboot". Seitdem sie beim Engerling-Jubiläum auf überzeugende Art und Weise die "Mama Wilson" gesungen hat, bin ich bei ihr auf jede Überraschung gefasst. Man gab sich redlich Mühe. Anerkennenswert! Doch DIE STIMME einer Band lässt sich nicht ohne weiteres ersetzen. Aber die Akteure versuchten das Beste aus der Situation zu machen und wechselten sich ständig am Mikrofon ab. "Kuhle" sang den Green-Klassiker "Oh well". Kein Problem. Das ist eh sein Part. Mike präsentierte uns "Nie wie der Vater". Auch das war kein Problem, hat er doch diesen Gala-Song in seinem eigenem Repertoire. Monokel-Gründungsmitglied Basti Baur übernahm das Boogiemobil und Hardcore-Fan Uwe sang das "Monster vom Schilkinsee". Und das gar nicht mal so schlecht. Eigentlich fehlte nur das sonst übliche Intro "Berlin, Berlin". Selbst das "Lumpenlied" gab es endlich mal wieder zu hören. Ich hoffe nur, die "Bühnenrandmissionäre", die tapfer bis zum Schluss in der ersten Reihe ausharrten, haben aufmerksam zugehört. Was gehen Euch meine Schuhe an?
Kurz vor 1:00 Uhr wurde es dann richtig eng auf der Bühne, als sich die Amis unter die Monokel-Allstars mischten.
Auch wenn wir "Lefty" schmerzlich vermissten, wurde das alljährliche Event in Spremberg auch in diesem Jahr zum erwarteten Fest. Nächstes Jahr sehen wir uns wieder, spätestens aber in 2016 zum 40. Bandgeburtstag von Monokel an gleicher Stelle.


 

 
* 30. Juni 2013: Kreuzberg jazzt!
(1) Jan Hirte's Blue Ribbon
(2) The Boogiesoulmates:

Alicia Emmi Berg (voc)
Niels von der Leyen (keyb)
Bernd Kuchenbecker (b)
Andreas Bock (dr)

* 23. Juni 2013: Joe Satriani support: Oli Brown in der C-Halle Berlin

Normalerweise meide ich ja Konzerte in solch einer Größenordnung - gut an die Eintausend Leute werden nach Tempelhof gepilgert sein. Ich mags halt etwas kuschliger. Aber Oli Brown hatte sich angesagt, sodass die Show zur "Chefsache" wurde. Ich hatte den Eindruck, nur wenige der Anwesenden konnten mit dem jungen Briten etwas anfangen und waren ausnahmslos wegen Satriani gekommen. Bei mir war das genau anders herum, und nach dem Konzert war mir auch klar warum!

Seit Brown vor ein paar Jahren gemeinsam mit Joanne Shaw Taylor und Erja Lyytinnen durch die deutschen Bluesklubs getingelt war, verfolge ich seinen Weg. Und der führt geradewegs nach oben. Nicht umsonst sahnt Oli seit 2010 in schöner Regelmäßigkeit bei den British Blues Awards ab. Routiniert begann er seine Show mit der "ellenlangen" Nummer
Manic Bloom. Herrlich! Und schon begann ich mich zu Fragen: Hat der Mann so eine "Support-Nummer" eigentlich nötig? Er könnte doch längst - zwar keine Hallen, aber immerhin Säle füllen. Ganze 30 Minuten gestand man ihm nur zur. Enttäuschung pur. Ich hatte mehr erhofft. Begleitet wurde er von James Hartley am Bass und dem Drummer Wayne Proctor. Übrigens schien mir Brown gereifter zu sein. Oder lag es nur am Vollbart, den er nun trägt.

Dann kam der Meister. Alles drängte zur Bühne, während ich das "Schauspiel" , mit einem Bier in der Hand, entspannt von der Seite aus beobachtete. Völlig ungewöhnlich begann das Konzert mit einem fetten Schlagzeugsolo, dargeboten von dem Deutschen Marco Minnemann. Als Satriani dann endlich in die Saiten griff, begann der Saal zu kochen. Und das hielt gute zwei Stunden an. Unglaublich. Natürlich blieben mir seine Qualitäten auf der Gitarre nicht verborgen, aber ein zweistündiges Konzert, unsäglich laut, aber ohne jeglichen Gesang war mir dann doch ein wenig "fremd". Manches, wie das hochgelobte "Always With Me, Always With You" plätscherte so dahin, anderes war mit ein Schuss zu melancholisch, aber immer wenn sich sein langjähriger Begleiter Mike Keneally die Gitarre umschnallte, ging es mächtig zur Sache. Der Mann leistete Schwerstarbeit bediente abwechselnd Gitarre und Keyboard
, zeitweilig beide Instrumente zur gleichen Zeit. Gefallen hat mir, wie sich Joe Satriani bei "Summer Song", getrieben von seinem Hintermänner, langsam hoch schraubte. Der Hammer aber war " Satch Boogie". Um ein Haar hätte der Mann seine Gitarre zum glühen gebracht. Ganze drei Zugaben mussten die Herren geben. Den Abschluss bildete "Rubina", eines seiner Hits. Das fast 10 minütige Werk hatte schon einen experimentellen Anstrich und gab mir gar nichts. Die Möglichkeit ungehindert zum Ausgang zu gelangen!


* 14. Juni 2013: Oh Yeah! Blues & Roots-Festival No.11 im "Movie"/Bielefeld

Der Bielefelder Jazzclub hatte gerufen. Und ich war dem Ruf gefolgt. Außer mir waren noch etwas über einhundert Zuschauer gekommen. Der Veranstalter hatte wohl mit reichlich Zuspruch gerechnet und war deshalb von der Alten Kuxmann Fabrik ins "Movie" ausgewichen, einem Klub in dem man üblicherweise den Disco-Fox tanzt. Der Laden hätte gut und gern noch einmal so viele Gäste vertragen.

Pünktlich um 20.30 Uhr füllte sich die Bühne. Dass was ich mir als Finale erhofft hatte, fand gleich zu Beginn statt. Auch gut! Die Musiker aller drei Bands bevölkerten die kleine Bühne und zelebrierten Muddy Waters "Oh Yeah", einen Song vom 1971er Album "Back In The Early Days" - das Motto der Show. Ein furioser Auftakt.

Den Auftakt machte die "Johnny Rieger Band". Die jungen Pfälzer - alle samt um die 25 Jahre alt - gelten als Newcomer in der deutschen Blues-Szene. Und so kamen die drei Herren auch 'rüber. Ihr Blues war frisch, dynamisch und rockig. Vor allem aber laut; zu laut. Bereits nach dem dritten Titel gab ich meinen vorderen Platz mittig der Bühne auf, und verzog mich in die hinterste Ecke. Und das will etwas heißen. Auch klangtechnisch lief da etwas schief. Hässliche Nebengeräusche der PA-Anlage übertönten zeitweilig das durchaus gekonnte Gitarrenspiel von Bandleader Rieger. Ein Problem, welches die Technik aber im Verlauf des Abends in den Griff bekam. Begleitet wurde Johnny Rieger von Matthias Scherer am Bass und dem Schlagzeuger Michael Jochum. Neben einigen Klassikern, vor allem von SRV, hörten wir vorzugsweise eigene Stücke aus ihrem brandneuem Album "Come Closer", welches übrigens von Timo Gross produziert worden ist. Auch wenn die Band noch am Anfang ihrer Karriere steht, sollte man sie nicht aus dem Auge verlieren.
Nach gut einer Stunde kam der Meister. Ach was - Vizeweltmeister ist Michael van Merwyk mit seiner Band "Bluesoul" in Memphis geworden. Und das zu recht, wie mir schon nach der ersten Nummer klar wurde. Ich hatte schon viel über den Mann aus Rheda-Wiedenbrück gelesen. Begegnet waren wir uns jedoch noch nicht. Um das endlich zu ändern, war ich nach Ostwestfalen gekommen. Spätestens nach der zweiten Nummer wurde mir klar warum diese Truppe so hoch gelobt wird. Ein Knaller! Die Truppe - das sind Jochen Bens (g, banjo, voc), Bernhard Weichinger (dr) und Olli Gee (b). Merwyk ist Multitalent. Abwechselnd bediente er die E-Gitarre, Akustik-Gitarre, Hawai-Gitarre und das Lapsteels. Wahnsinn! Kaum zu glauben, dass Merwyk Autodidakt ist. Neben seinem begnadeten Spiel, überzeugt Merwyk durch seine ausdrucksstarke, gewaltige Stimme. In Anbetracht seiner imposanten Erscheinung war dies aber zu erwarten. Die Musiker sind alle samt Profis und international erfahren. Im Laufe der Zeit hat die Band ihren eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Merwyk selbst bezeichnet seine Musik als "America Music - Euro Style". Vielleicht war es das, womit er bei den Amis in Memphis punkten konnte? Nein, es war Blues auf höchstem Niveau, was ich da zu hören bekam. Den Thüringern kann ich nur empfehlen auf die Wartburg zu pilgern, wenn der Mann im Sommer mit seinem Blues&Roots-Festival nach Eisenach kommt.

Inzwischen war es bereits 23.00 Uhr geworden, als der letzte Act des Abends - "The Kai Strauss Band" die Bühne betrat. Auch die Osnabrücker sind der "Jungen (Blues-)Garde" zu zuordnen. Es war tiefschwarze Musik, sehr soullastig, was uns die fünf Herren anboten. Aber so sehr sie sich auch anstrengen mochten, der Merwyk war nicht mehr zu toppen. Auch diese Band bot uns vorzugsweise Songs aus ihrem Debütalbum "This Time" an, welches im letzten Jahr erschienen ist. Ausnahmsweise hatte ich mich im Vorfeld schlau gemacht. Und schon wieder spricht bzw. schreibt man über Kai Strauss von einem Ausnahmegitarristen. Mir scheint, die Ausnahme wird langsam zur Regel. Ohne aber seine Qualitäten unterbewerten zu wollen, denke ich, profitiert diese Band vor allem von der Soul-Stimme Jeffrey Amankwa.  Neben diesen beiden Herren vervollständigen Keybooarder Jan Karow, Schlagzeuger Alex Lex und Bassist Sascha Oeing das Quintett.  Und ja - auch diese Band sollte man im Auge behalten.

Die "Neue Westfälische" titelte am nächsten Tag "Blues mit leuchtenden Augen". Bei mir klingt das weniger pathetisch: Feine Sache! Die weite Anreise hat sich gelohnt.


 
* 8. Juni 2013: Little Caesar im Wild at Heart/Berlin
* 7. Juni 2013: Die Harten 70er mit Judas Priest Revival (CZ), Ozzmosis (Magdeburg) und Lord Zeppelin (Berlin) in der Parkbühne Berlin-Biesdorf
Bei strahlend blauen Himmel unternahmen an die 400 Leute eine vergnügliche Zeitreise in die 1970er.
Hilfe! Der Blueser beim Heavy Metal. Geht gar nicht. Bei "Judas Priest" hat noch nicht einmal der kleine Zeh gewackelt.  Bei "Maysche" und "Black Sabbath" wurde ich langsam warm und bei "Led Zeppelin" war ich hellwach!
Alles klar?
* 24./25. Mai 2013: PowerBLUESFestival in Berlin-Biesdorf
Tag 1: Bluewater, Dogma'n und Monokel-Kraftblues
Alles bangte, wegen des Wetters. Ich auch - schließlich gehörte das zweitägige PowerBLUESFestival zu den Höhepunkten der Saison 2013 in Biesdorf. Es war zwar kühl, blieb aber zur Freude des Veranstalters und der etwa 150 Besucher trocken.

"Bluewater" stand bereits auf der Bühne, als ich endlich eintraf (Der Mensch lebt nicht vom BLUES allein, nicht einmal DER Blueser!). Frontfrau Jenny Kallabis habe ich bereits seit "Backwater" im Visier. Ende 2009 ist sie bei dieser Band ausgestiegen und Anfang 2010 war Jenny mit einer neuen Mannschaft und neuem Namen wieder zurück. Nach einigen Umbesetzungen scheint man spätestens seit Sommer 2012 das optimale Line Up gefunden zu haben, so jedenfalls mein Eindruck an diesem Abend!
Es ist der Spaß an der Musik, welcher dieses Quartett zusammen geführt hat. Und genauso kam die Band auch rüber. Allesamt sind gestandene Musiker. Newcomer "Kulle" kam von "Lausitzblues", wo er einst gemeinsam mit Igor Flach auf der Bühne stand. Am Schlagwerk sitzt Stephan Zühlke. Ihn kennt man von "Splitt", auch bei "Clover" war er eine Zeitlang zu Gange. Und Bassmann Joe le Vaux spielt schon eine gefühlte Ewigkeit in der Berliner Stones-Coverband "EdSTONE". Markenzeichen der Truppe ist erdiger BluesRock, so wie ich ihn mag. Das Repertoire reicht von Paul Rodgers über SRV bis Joe Bonamassa (!). Spätestens bei " Every Day Now" (Texas) kann Jenny sich so richtig austoben! Doch mit ihren Janis Joplin - Interpretationen setzt sie noch einen oben drauf. Kein Wunder also, dass das Publikum lauthals nach Zugabe verlangte, und dadurch schon beim ersten Act des Abends der eng gestrickte Zeitplan durcheinander geriet. Aber auf ihr a capella gesungenes "Mercedes Benz" wollte das Publikum nicht verzichten. Gänsehaut-feeling pur!

Auf die nächste Band war ich ganz besonders gespannt. Mit Frontmann Michael Roetsch verbindet mich schon seit längerem eine "virtuelle Freundschaft". Nun endlich lernten wir uns persönlich kennen. "Dogma'n" ist im heimischen Thüringen fester Bestandteil der Szene; dagegen in Berlin eher unbekannt. Um so erfreulicher war es, dass sich Parkbühnenchef Fred bei der Planung des Festivals daran erinnerte, dass Roetsch bereits mit den "Dolly Bastards" in der "Kiste" gastiert hatte.
Ob im "Medicom", dem "Johannishof" , beim Bluesfasching in Apolda oder dem Bluesfestival Bad Berka, dort wo "Dogma'n" aufspielt, ist eine heiße Bluesparty angesagt. "Blues with feeling" nennen sie ihren Stil. Dieses Markenzeichen tragen sie zu recht, wie sich schon nach den ersten Nummern heraus stellte. Im Gegensatz zu ihren Berliner Vorgängern ist "Dogma'n" weitaus deutlicher am Blues orientiert. Der aufmerksame Zuschauer bekam so die noch immer währende Zwei-Teilung der ostdeutschen Blues-Szene deutlich vor das Auge geführt. Während sich die Berliner Bands mehrheitlich dem Blues-Rock verpflichtet fühlen, war man im Thüringer Raum seit je her am traditionellen Blues orientiert. Im Falle von "Dogma'n" sind das Albert Collins, Buddy Gy oder Luther Allison, von dem es an diesem Abend eine schöne Nummer zu hören gab. Besonders gefallen hat mir jedoch ihre Interpretation des Klassikers "Caldonia". Man habe ich diesen Song schon ewig nicht mehr gehört. Ich glaube, zuletzt war das bei Diestelmann. Und das ist schon verdammt lange her. Inzwischen habe ich schon längst "nach gehört", dank der mitgelieferten Demo-CD, auf der auch einige Eigenkompositionen zu hören sind, die den Klassikern an Qualität in Nichts nachstehen. Kein Wunder, denn die Dogmänner sind allesamt erfahrene, ja sogar international erfahrene Musiker. Frontmann Roetsch kennt man spätestens seit "Bull-Frog Blues". Mit Bassmann Robert Boddin hat er schon in der Zappa-Band "Dolly Bastards" gespielt, einer Band, um die es in den letzten Jahren ziemlich still geworden ist. Eigentlich schade! Der zweite Gitarrist Andreas Saul hat mich besonders an der Blues-Harp überzeugt. Hauptamtlich spielt er dieses Instrument bei den "London Bluemasters". Am Schlagwerk saß an diesem Abend Siegfried "Siggi" Heilek - ein echtes Thüringer Urgestein. Heilek stammt aus der thüringischen Beat-Szene und hat einst mit "Gotte" bei den "Nautiks" gespielt. Danach folgten "Pasch" und "Onkel Tom". Aber die meisten werden ihn als langjährigen Schlagzeuger in der Band von Jürgen Kerth kennen. Doch damit nicht genug. "Dogma'n" hatte noch einen special guest mitgebracht: Wolfram "Wolle" Schöter von "Steamroller". Schröter dürfte vor allem in Thüringen kein Unbekannter sein, hat er doch einst bei "Knuff" gespielt. Wahnsinn! Der Mann wechselte die Instrumente öfters, als unsereins die Socken! Fast hätte ich es vergessen: Als "Going Down" von Freddy King erklang, wurde ich unweigerlich an ein ganz besonderes Erlebnis erinnert. Vor einigen Jahren hatten diesen Song an gleicher Stelle Magda Piskorczyk, "Engerling" und die Kraftblueser von "Monokel", die sich bereits hinter der Bühne warm liefen, gemeinsam zelebriert. Leider ist diese Video von damals spurlos von meiner You-Tube-Favoritenliste verschwunden. Natürlich ließ das Publikum auch "Dogma'n" nicht ohne Zugabe gehen. Und das obwohl es inzwischen bereits kurz vor 21.00 Uhr war. Ach ja, "Dogma'n" war mit Hund angereist. Die zutrauliche Hundedame durchstreifte jeden Winkel der Parkbühne, während Herrchen Roetsch uns aufs Beste unterhielt!

Inzwischen war es längst 21.00 Uhr geworden. Für die Kraftbluesbrigade blieb nicht mehr viel Zeit, denn Punkt 22.00 Uhr wird in Biesdorf der Stecker gezogen. Das Umweltamt ist unerbittlich. Endlich kamen sie. Ich litt schon seit geraumer Zeit an Entzugserscheinungen. Es war also höchste Zeit! Man verzichtete aus das übliche Intro, schließlich hatte "Monokel-Kraftblues" ein Heimspiel. Aber "Berlin" kam irgendwann später. Opener war "Wahrheiten", einer der neueren Songs. Inzwischen war wohl auch der Letzte aufgestanden und vor die Bühne gekommen, wo es sichtlich eng geworden war. Von den Klassikern gab u.a. die "Schwarze Marie", "Kindertraum" und "Das Monster vom Schilkinsee". Leider blieb "Bye, bye Lübben-City" auf der Strecke. Die Zeit reichte einfach nicht aus. "Monokel" ist noch immer dem Ostblues verpflichtet, dennoch gibt es immer mal wieder einige Covernummern. An diesem Abend war es der Green-Klassiker "Oh, Well". Schön mal wieder den "Panther aus Pankow" am Mikrofon erlebt zuhaben. Der Mann neben mir meinte, das würde stimmlich genau passen! Dickes Lob!


Tag 2: Dirty Past, Joris Hering Blues Band, Mike Seeber Trio und Connie Lush&Band
"Das Ende wird hart" - steht im Flyer über die Open Air Saison 2013 der Parkbühne geschrieben. Auch der Anfang wurde hart. Offensichtlich konnte der Autor noch nicht ahnen, dass wir den kältesten Mai seit Jahrzehnten bekommen würden. Dauerregen in Berlin. Noch vor dem Soundcheck gab es eine Krisensitzung, doch die Akteure WOLLTEN trotz der widrigen Umstände spielen. Danke! Gekommen waren nur die ganz Harten, und die drängten sich rechts und links unter den Zeltplanen.

Ein Konzertbeginn um 17.00 Uhr ist - auch an einem Sonnabend - einfach zu früh. "Dirty Past" musste also ohne mich auskommen. Als ich endlich in Biesdorf eintraf, stand die "Joris Hering Blues Band" bereits auf der Bühne. Zu meinem Glück hatten technische Probleme ihren Start verzögert, so dass ich "nur" den "Fishtone-Blues" verpasst hatte. Die leeren und nassen Bankreihen nahmen die Jungs gelassen. Bandleader Joris Hering meinte nach dem Auftritt zu mir: "Wenn du erst einmal oben auf der Bühne stehst, ist es eigentlich egal, ob du vor Hundert oder 1 Million Leuten spielst". Ihre Spiellaune war also ungebrochen, so kam die Band auch 'rüber. Im Vergleich zum nachfolgenden Act ist die JHBB wesentlich "leiser". Aber es gab aller feinsten Blues und den ganz sauber gespielt. Das kam auch beim Publikum an, die den Akteuren immer wieder mit Szeneapplaus dankte. Souverän spielte sich Joris Hering durch das Programm, begleitet von Bruder Thomas am Bass und dem jungen Marius von Schmude, der solide das Schlagzeug bediente. Die Zeit in Biesdorf ist immer knapp, so dass es nur einen Ausschnitt des Programms der Band zu hören gab. Auf die "Puppe" und andere Eigenkompositionen mussten wir daher verzichten. Aber passend zu diesem Tag kam "Regen", eines meiner Favoriten aus dem Repertoire der Band. Nach einer knappen Stunde war auch schon Schluss mit lustig. Doch ohne Zugabe wollte man die Band nicht gehen lassen. So erklang zum Abschluss "Feierabend".

Feierabend war jedoch in Biesdorf noch lange nicht. Nun kam Mike Seeber. Lange hatten wir uns nicht gesehen. In Anbetracht der widrigen Umstände, hatte ich es längst bereut, nicht bei seinem letzten Konzert im Berliner "frannz" gewesen zu sein. Aber wer konnte schon im April erahnen, dass uns das Mai-Wetter das Open-Air-Feeling "verhageln" würde. Mike Seeber ist aus der hiesigen Blues-Szene nicht mehr wegzudenken. In 2012 legte er eine Pause ein, sammelte neue Musiker um sich und stand bereits nach kürzester Zeit mit Phillip Rösch (b) und Tobias Ridder (dr) an der Seite wieder auf den Bühnen des Landes. Schon nach der ersten Nummer wurde mir klar, dass er bei der Auswahl seiner Mitstreiter ein glückliches Händchen gehabt haben musste. Es stimmte einfach alles. Obwohl Mike bekanntermaßen seine Inspiration aus dem modernen Texas-Blues bezieht, steht er in der Tradition der Altvorderen der ostdeutschen Blues-Szene. Wen wundert es da, dass sein Programm mit deren Klassikern gewürzt ist. An diesem Abend waren es u.a. "Gloriosa" von Jürgen Kerth, "Momente" von Hansi Biebl und "Daddy's Boogie" von der "Jonathan Blues Band". Doch der Opener  war "Nie wie Vater" aus der Feder von "Gala". Möglicherweise war das ein Fingerzeig. Hat er doch noch vor seiner "Back From Texas - Tour" eine ganze Zeitlang neben "Lefty" mit "Monokel-Kraftblues" auf der Bühne gestanden. Mike ist für seinen druckvollen, rauen, ja fast aggressiven Sound bekannt. Logisch, dass er diesen Titeln seine persönliche Note verpasste. So reihten sie sich nahtlos in sein "übriges" Repertoire ein. Die zweite Nummer war "Outside Woman"; ursprünglich von "Blind" Joe Reynolds, aber inzwischen von einer ganzen Reihe namhafter Kollegen - unter ihnen Hendrix, Van Halen, Johnny Winter und Pat Travers -  gecovert. Erfreulich, dass mit "Whipping Post" eine Nummer von Gregg Allman folgte. Dem Regen trotzend, in seiner Musik versunken, kam Mike immer wieder bis ganz dicht an den Bühnenrand, direkt vor meine Linse. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Nur Wenige von den wenigen Zuschauern werden es bemerkt haben. Als besonderen Leckerbissen gab es den ersten Song aus seinem Debütalbum "Echtzeit", welches derzeit von Rainer Oleak produziert wird. Doch mehr wird nicht verraten...

Und wieder war die Zeit knapp geworden, als sich schließlich der Hauptact des zweitägigen Festivals ankündigte. Ich denke, dieses Prädikat gebührt Connie Lush zu recht, gilt sie doch als die beste britische Bluessängerin der Gegenwart. Im Vorfeld war zu erfahren, dass sie wegen ihrer kraftvollen Stimme fünfmal in Folge als "Best UK Female Vocalist" geehrt worden wäre. Den Blues hat die Frau mit Sicherheit. Aber ich denke, stimmlich gesehen, könnte sie im direkten Vergleich mit ihrer Landsfrau Maggie Bell, die ich erst unlängst in Schöneiche erleben konnte, nicht bestehen. Das Biesdorfer Publikum war inzwischen noch enger zusammen gerückt, konnten doch die Planen das Regenwasser nicht mehr halten. Es tropfte an allen Ecken und Enden. Unbeeindruckt vom Dauerregen, den gefühlten Temperaturen nahe des Gefrierpunktes und den leeren Rängen, spielten die Lush, Gitarrist Peter Wade, Terry Harris am Bass und Mikahl Weizman (dr) ihren Blues. Wie sich später heraus stellte, bekamen wir wegen der knappen Zeit nur eine verkürzte Setliste zu Gehör. Die Songs stammte mehrheitlich aus ihrer Feder. Ich glaube mit Titeln wie "Send Me No Flowers", "Queen" oder "Shoppin" sprach sie wohl mehr das weibliche Publikum an. Bei "Shoppin" brillierte Weizman - sehr zu meiner Freude - mit einem fetten Schlagzeugsolo. Weit mehr, als durch ihren Gesang, überzeugte mich die Lush mit ihrem ungebrochenem Humor und ihrer Körpersprache. Allerdings setzte Bassmann Harris inbezug auf die Mimik noch einen oben drauf. Ich habe selten einen Bassisten erlebt, dem bei der Arbeit das Gesicht zu entgleisen drohte. Klasse! Pünktlich 22.00 Uhr war Schicht, aber die Band gewährte uns mit " I Go Crazy" noch eine wunderschöne Zugabe. Nach fünf Stunden Powerblues im Dauerregen waren sich Publikum und Musiker einig: Man hatte durchgehalten, das Beste aus der Situation gemacht und dabei noch Spaß gehabt. Bluesseelig, aber völlig durchnässt machte sich das Bluesvolk auf den Heimweg.

* 16. Mai 2013: Eros Ramazzotti in der O2-World/Berlin
* 04. Mai 2013: Fake Blanche und Joris Hering Blues Band feat. Thomas Schied, special guest: Jan Grünfeld in Halle /Saale
Die "Marktwirtschaft" war auch für einen Ortsunkundigen ohne Navi (!) unschwer zu finden. Sie befindet sich in einer Nebenstraße hinter dem Unigelände. Von außen eher unscheinbar, erinnerte mich das Innenleben an den Dresdner "Bärenzwinger" - obgleich der um einiges größer ist.
Gekommen waren an die fünfzig Leute. Ein paar mehr Besucher hätten es schon sein können, aber das lag vielleicht am Timing. In der benachbarten "Mojo's Bluesbar"  lief zeitgleich eine Veranstaltung und im "Objekt 5" gastierten sogar Larry Garner & Norman Beaker.
Das Publikum war offensichtlich zweigeteilt. Während das jugendliche Publikum wegen "Fake Blanche" gekommen war, hatte die JHBB das ältere Semester angelockt. Unter Ihnen auch ein paar "Langhaarige". Einer von ihnen outete sich, und ließ wissen, dass er erstmalig seit mehr als 20 Jahren wieder auf einem Blueskonzert sei. Ja, früher sei er jedes Wochenende bei "Engerling" oder "Monokel" gewesen. Als man ihm bedeutete, dass es diese Bands noch immer gibt - "Monokel" sogar im Doppelpack - tat er sehr verwundert.

Soundcheck

Das Konzert begann mit reichlicher Verspätung. Das lag nicht an den Akteuren, sondern am hauseigenen Techniker, der wohl einige Probleme mit der Anlage hatte. Als erster betrat Überraschungsgast Singer und Songwriter Jan Grünfeld die Bühne und gab ein paar seiner Lieder zu Gehör. Grünfeld hatte die "Heringe" schon am Vortag im Medicom Weimar erfolgreich unterstützt, sodass man kurzerhand überein gekommen war, dies in Halle zu wiederholen.
Dank seiner lockeren Art und freundlichen Ausstrahlung verbreitete der Hallenser gleich gute Laune im Saal. Grünfelds mal rockige, ja sogar bluesige - teils auch leisere Lieder erzählen von Liebe und anderen "Widrigkeiten" des Lebens. Bei "Feuer" kam ihm Joris Hering zur Seite. In dieser Formation als Gruenfeld & Hering konnte man die Beiden schon des öfteren auf den Bühnen des Landes erleben. Neu dagegen war Gruenfeld mit kompletter Bandbegleitung.

Jan Grünfeld

Danach folgte die "Joris Hering Blues Band" aus Berlin. Es bedurfte keiner langen Umbaupause. Die Band startete wie übliche mit dem "Fishtone Blues" und spielte sich quer durch ihr Repertoire, welches mehrheitlich aus deutschsprachigen Eigenkompositionen - aber auch Cover bekannter Bluesklassiker besteht. Es sind vor allem Alltagsgeschichten, die Hering zu erzählen weiß. Geschichten von Regentagen in Berlin, vom Warten auf den lang ersehnten Feierabend, der einem durch ständiges Telefon läuten vergällt wird oder vom Mann von nebenan, den man erst richtig wahr nimmt, wenn er plötzlich nicht mehr da ist.
Noch bevor es richtig los gegangen war, verlangte einer der Anwesenden lauthals nach der "Puppe", doch bis es soweit war, musste er sich noch lange gedulden, denn die kam erst im zweiten Konzertteil. Man war mit "Fake Blanche" überein gekommen abwechselnde Sets von jeweils etwa 45 Minuten zu spielen.

Es dauerte nicht lange bis der Blues das Publikum erreichte. Während das ältere Semester eher verhalten ein oder gar zwei Körperteilen im Takt bewegte, zog es die Jugend vor den Blues zu tanzen.
Ich, der die Band nun schon einige Mal erlebt hatte, hatte mich auf auf einen vergnüglichen Abend eingestellt. Überraschungen waren nicht zu erwarten. Und dennoch gab es auch für mich Neues - den "Heimstadt-Blues". Logisch! Eine Hommage der Gebrüder Hering an ihre Heimatstadt Halle.


Angetreten war die JHBB mit ihrer Stammbesetzung, die da besteht aus den Brüdern Hering und dem jungen Marius Dümke am Schlagzeug. Der Arme hatte an diesem Abend Schwerstarbeit zu leisten, denn er ist auch Stammschlagzeuger bei "Fake Blanche" und musste deshalb eine Doppelschicht einlegen. Obwohl er bis weit nach Mitternacht ununterbrochen am Drumset saß, zeigte er keine Ermüdungserscheinungen.
Respekt!
Eingeladen hatten sie sich den Hallenser Harper Thomas Schied. Ihn kennt man vor allem aus der Zusammenarbeit mit Trevor Hansbury, aber auch von den "Blind Flying Dogs" und weiß daher seine Qualitäten zu schätzen. Ich fand, diese Harp-Unterstützung "peppt" die Show der JHBB ungehörig auf.

Inzwischen war es bereits 23.00 h geworden, als die Lokalmatadore von "Fake Blanche" auf die Bühne kamen, um ihren ersten Set zu spielen. Und schon mit dem ersten Stück wurde es mächtig laut. Die Musiker allesamt kaum älter als 20 Jahre haben wohl schon als Schülerband zusammen gespielt, allerdings spielte man damals noch Punkrock. Das was sie heute machen, würde ich als Psychedelic Rock bezeichnen. Ich meine sogar, klassische Elemente heraus gehört zu haben. Die Jungs machten ganz schön Dampf und animierten nun erst recht das jugendliche Publikum. Während mir der Orgelpart außerordentlich gefallen hat, empfand ich es als großen Mangel, dass der Gesang nicht zu verstehen war. Seit 2011 spielt die Band in folgender Besetzung:
Friedemann Thurow (voc),
Christian Eckhardt (bg),
Eicke Rackwitz (g),
Frithjof Eydam (org) und
Marius Dümke (dr).
Ihr Debütalbum "A Promising Glow" erschien in 2012.

Noch bevor die Jungs ihren zweiten Konzertteil begonnen hatten - es war längst 1.00 Uhr geworden -, machte ich mich "auf die Socken", denn wieder mal hatte ich den längsten Heimweg.

* 28. April 2013: Meat Loaf in Berlin
"Meat Loaf" Marvin Lee Aday machte auf seiner "Last At Bat Farewell Tour" auch Halt in der Berliner O2-world, die mal wieder komplett bestuhlt war. Zum Glück ist nichts passiert, denn vom Sessel gehauen hat mich die Vorstellung nicht. Mir schien, dass der Meister nicht nur körperlich, sondern auch stimmlich abgebaut hat. So hat wohl der Abschied von der Bühne seine Berechtigung. Dass das Konzert dennoch ein Hörgenuss wurde, hatten wir mit Sicherheit seiner Band zu verdanken.

* 20. April 2013: Todd Wolfe Band in der Kiste/Berlin
Und wieder hatte Fred einen internationalen Topact an den östlichen Stadtrand geholt. Es war nicht der erste Besuch der "Todd Wolfe Band" in Berlins Eastside. Letztes Jahr im Frühsommer war Todd Stewart Wolfe (Jahrgang 1957) mit gleicher Besetzung Gast in der Biesdorfer Parkbühne und gab ein starkes Konzert, an das ich mich gerne erinnere. Ich wusste, worauf ich mich einlasse.

Inzwischen ist der US-amerikanische Bluesrocker wohl schon zum dreizehnten Mal in Deutschland auf Tour. Und bei so manchen Bluesrockfan gilt der Meister, der in seiner Heimat als ein (weiteres) Gitarrenwunder gefeiert wird, als Geheimtipp. Von Wundern mag ich auch nach diesem Konzert nicht sprechen, obwohl auch ich ihm - ohne wenn und aber - Perfektionismus zugestehe. Für mich steht Wolfe eher etwas im Schatten eines Bonamassa, Walter Trout oder Julian Sas.

Seit 1979 steht der Mann nun schon auf der Bühne, der zu seinen Vorbildern Clapton und "Cream" zählt. Gespielt hat er bereits in verschiedenen Formationen, vor allem aber auch mit namhaften Musikern wie Mick Taylor, Leslie West, Carla Olsen (1991 - 1993) und Sheryl Crow (1993 - 1998). Danach schloss sich eine Solo-Karriere an und seit 2001 tourt er nun mit eigener Band durch die Welt. Mit Drummer Roger Voss arbeitet er schon im fünften Jahr zusammen, während die junge Bassfrau Justine Gardner erst im letzten Jahr zur Band stieß.

Der KISTEnBLUES war eines von den diesjährigen ca.30 Konzerten in Old Germany, mit denen der Meister sein neues Album "Miles To Go", welches am 26. April erscheinen soll, promoten möchte. Logischerweise dominierten an diesem Abend im Programm mir unbekannte Stücke dieser Scheibe. Schon lange vor Konzertbeginn suchte ich, die startbereite Kamera in der Hand, vergebens nach einer Setliste. So muss ich mich ausschließlich auf mein in die Jahre gekommenes Gedächtnis verlassen. Begonnen hat er wohl mit dem Stück "Ready For Love", eines seiner erfolgreichsten Nummern bislang. Ich dagegen favorisiere jedoch eher "Black Hearted Woman".

Das Schöne an der "Kiste" ist, man ist ganz nah dran, auch wenn man nicht unbedingt in der allerersten Reihe steht. Übrigens war die "Kiste" auch dieses mal gut besucht, auch wenn sie nicht aus den Nähten zu platzen drohte, wie sie das bei den einheimischen Kultbands "Engerling", "Monokel" und Jürgen Kerth tut. Anders als bei Boo Boo Davis, waren an diesem Abend auch eine Menge bekannter Gesichter aus der Berliner Bluesszene zu entdecken. Das Stammpublikum aber sorgte dafür, dass spätestens bei "Mississippi Queen" die Fläche vor der Bühne zum "Tanzboden" wurde und das übliche Kisten-Feeling aufkam. Die "Kiste" bietet einen weiteren Vorteil: ich bekam einen ganz anderen Blick auf die Akteure, als in der Parkbühne. So gewann ich im Verlauf des Abends den Eindruck, dass Wolfe und seine Begleitmusiker trotz ihrer Erfolge "auf dem Teppich geblieben sind", was sie in meinen Augen äußerst sympathisch macht.

Auch wenn Todd zweifelsfrei der Meister ist, braucht sich seine Rhythmusgruppe keineswegs zu verstecken. Mal schien es, als wolle sie ihren Frontmann förmlich vor sich hertreiben. Mal blieb sie eher verhalten, um so die ungeteilte Aufmerksamkeit auf sein Gitarrenspiel zu lenken. Ein perfektes Zusammenspiel. Bemerkenswert war vor allem die grazile Justin Gardner. Gemessen an ihrer Statur, schien ihr Arbeitsgerät einige Nummern zu groß geraten zu sein. Dabei hatte sie keinen Grund sich zu verstecken. Erwähnenswert sind vor allem die ausgedehnten Gitarrensoli Wolfes, bei denen er sein ganzes Können unter Beweis stellte, und die durch das Publikum immer wieder mit reichlich Zwischenapplaus bedacht worden sind. Vor allem aber hat mich die stilistische Bandbreite beeindruckt, die da von dem funkigen "Beg Forgiveness" über den gefühlvollen Blues "Cold Black Night" bis hin zur klassischen Rock 'n Roll - Nummer reicht. Mir scheint, dadurch unterscheidet sich Wolfe von den hier von mir genannten Bluesrock-Hereos.

Als es bereits 23.00 Uhr war und das planmäßige Konzertende erreicht war, zwang lang anhaltender Beifall die Band zu mehreren Zugaben. Deutliches Indiz dafür: Es hat gefallen!


* 13. April 2013: "Cactus" in der Kulturbrauerei Berlin

* 12. April 2013: Boo Boo Davis in der Kiste / Berlin

Geradewegs aus den Sümpfen des Mississippi Delta in die Ostberliner Platte.

Obwohl James „Boo Boo“ Davis (voc, harp) bereits die ganze Welt bereist hat, waren wir uns noch nicht begegnet. Das sollte sich nun ändern. Noch bevor ich die „Kiste“ betreten hatte, lief er mir direkt in die Arme, ließ sich sogar auf ein Small Talk ein, während ich ihm den Weg nach Back Stage zeigte.


Trotz spärlicher Plakatierung – so in diversen Konzertberichten auf deutsche-mugge.de über die Kistenveranstaltungen immer mal wieder zu lesen – und der Tatsache, dass zeitgleich weitere namhafte Blueser in der Stadt gastierten, war das Haus ordentlich gefüllt. Mir fiel auf, dass anscheinend Neuenhagen „Gruppenausgang“ bekommen haben musste.


Der Hausherr war nicht anwesend. So begann das Konzert pünktlich, aber ohne die sonst übliche Begrüßung und Vorstellung der Band. Die nahm es gelassen, betrat die Bühne und spielte einfach los. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende und nie lesen und schreiben erlernt habende Bluesman, entdeckte für sich frühzeitig den Blues, um der rauen Wirklichkeit im Mississippi Delta zu entfliehen. Authentischer und ehrlicher kann Blues nicht sein. Begleitet wird Davis seit Jahren von den beiden Holländern John Gerritse (dr) und Jan Mittendorp (g).


So musste wohl auch das Publikum in der „Kiste“ empfunden haben. Es dauerte zwar eine Zeitlang bis der Funke übersprang, sich die Fläche vor der kleinen Bühne mit dem „tanzwütigen“ Stammpublikum füllte und sich eine bluesträchtige Atmosphäre entwickelte, wie sie der Meister aus den heimischen Klubs kennen mag.

Als Davis plötzlich durch sein Harp-Mikro sang, geriet das Publikum sogar außer Rand und Band. Ich empfand die Einlage eher gruselig. Da war mir doch die raue Originalbluesstimme tausendmal angenehmer. Sein Harpspiel war schnörkellos, eher einfach. Weitaus mehr beeindruckt war ich von der Klangvielfalt, die der junge Mittendorp aus seiner Gitarre holte, und die nichts vermissen ließ. Denn eine Besonderheit hat die Kapelle aufzuweisen; kommt sie doch ganz ohne Bass aus.

Nach reichlich zwei Stunden war Schluss mit lustig. Immerhin ließ sich die Band zu drei Zugaben nötigen. Man hatte aber den Eindruck, sie würde es bereitwillig tun. Da habe ich gerade hier in der „Kiste“ schon ganz andere Abgänge erlebt. Erinnert sei an „Pretty Things“.

Obwohl Davis (Jahrgang 1943) auch schon in die Jahre gekommen ist, war ihm Müdigkeit nicht anzumerken. So machten sich beide Seiten offensichtlich zufrieden auf den Weg; das Publikum in die heimischen Betten und die Band auf den Weg zu den „Rother Bluestagen“, wo sie gleich zwei Klubkonzerte geben wird.




 

* 02. März 2013: Mitch Ryder & Engerling im Manitu / Forst
Alle Jahre wieder
                                                   ... und immer wieder schööööön!

Zitat Mitch R. Übersetzung von Manne Pokrandt

"An meine lieben Freunde und Fans in Europa, vor allem aber in Deutschland.

Ich freue mich, Euch mit dieser Live-Aufnahme einen Schnappschuss von der wunderschönen
Tour im letzten Jahr bieten zu können.

Ich habe die Arbeit im Studio immer geliebt, aber wenn man die Studioaufnahmen nimmt und
sie live aufführt, scheint etwas Magisches zu passieren. Die Vorstellung meinen Freunden und
Fans so nahe zu sein, schafft eine einzigartige Verbindung, die schwer zu erklären ist. Es ist
ein guter Gedanke, jemanden fast zu berühren und sogar meinen Schweiß auf seine Schuhe
tropfen lassen zu können. Ich glaube, das richtige Wort dafür wäre "intim" - und ich werde
immer alles geben, was ich körperlich geben kann.

Auf diese CD haben wir einige Bonus-Tracks genommen, die mir wichtig waren, weil ich den
Künstlern, die diese Songs schufen, damit meinen Respekt zollen möchte. Mit einem von ihnen
war ich sogar befreundet.

Natürlich ist es immer aufregend, mit Engerling und unserem Gastgitarristen Pitti Piatkowski
zu spielen. Als Pitti erstmals den Job übernahm, konnte ich noch nicht ahnen, dass er einmal
fest zur Band gehören würde. Er ist außergewöhnlich, weil er auf seinem Instrument etwas
spielt, was, aus mir unerklärlichen Gründen, nur amerikanische Gefühle sein können.

Der sehr starke, einfallsreiche Hannes am Schlagzeug, die feine und zuverlässige Arbeit von
Heiner an der Slide-Gitarre, der Herzschlag-Bass von Manne und natürlich das Geheimnis und
die Genialität von Boddi an Keyboards, Orgel und Harp - all das macht es aus, um schließlich
sagen zu können: Eine echte Band.

Jetzt wisst ihr, was ich über Pitti und Engerling denke. Es ist ganz so, als hätte ich eine Band
aus Amerika mitgebracht. Sie verstehen und spielen meine Musik sehr authentisch. Es ist immer
wieder spannend, mit diesen Jungs auf Tour zu gehen, die im Laufe der Jahre meine Brüder ge-
worden sind. Ich liebe sie und hoffe, Ihr liebt sie auch. Und selbstverständlich hoffe ich, dass ihr
auch diese neue CD lieben werdet.

Meine Fans und Freunde werde ich niemals vergessen oder verlassen. Solange ich aufrecht
stehen kann, werdet Ihr mich weiterhin auf der Bühne erleben und das Vergehen der Zeit
mit mir gemeinsam zelebrieren können. Mittlerweile habe ich schon so viele Geburtstage
in Deutschland verbracht, dass ich glaube, die Staatsbürgerschaft verdient zu haben.

Wartet auf den Schnee. Wenn er kommt, sollte auch ich kommen.

Love
Mitch Ryder"

* 16. Februar 2013: Todor "Toscho" Todorovic & Blues Company in der Druckerei Bad Oeynhausen
Es ist jetzt gut 1,5 Jahre her, dass die "Blues Company" aus Osnabrück bis nach Spremberg gereist war, um gemeinsam mit den Kraftbluesern von "Monokel" den 35. Geburtstag ihrer Bands zu feiern. Die Company wird gern als die dienstälteste und langlebigste Bluesband Deutschlands gefeiert. Nun, wir hier im Osten wissen, dass es noch langlebigere und ältere Bluesbands gibt, aber ihr Verdienst um die Anerkennung des deutschen Blues im In- und vor allem im Ausland ist unbestritten.
Nun war ich quasi 400 km zum Gegenbesuch gereist. Nein, nicht bis nach Osnabrück, sondern "nur" bis Bad Oeynhausen. Und wieder gab es einen Grund zum feiern. Bandchef Todor "Toscho" Todorovic feierte an diesem Abend seinen 62. Geburtstag auf der Bühne.

Das Begegnungszentrum war schnell gefunden und erwies sich als angenehmer und geräumiger "Laden", der jedoch den Charme einer Blueslokalität vermissen lässt. Das mag wohl daran liegen, dass der Blues in der Druckerei eher selten zu Hause ist, wie mir der Veranstalter verriet. Und noch etwas stach sofort ins Auge. Im Vergleich zu manch einer Berliner Lokalität, machte die Druckerei einen besonders "aufgeräumten" Eindruck. Leider hatte man durch die Pfeiler nicht aus jeder Perspektive einen ungehinderten Blick auf die Bühne. Schätzungsweise 150 Leute werden gekommen sein, um den Spektakel beizuwohnen.

Es dauerte auch nicht lange, bis ein gut gelaunter Todorovic die Bühne betrat. Gemeinsam mit dem zweiten Gitarristen Mike Titre, der auch eine bemerkenswerte Bluesharp bläst, bildet er das Rückgrat der "Blues Company". Seit 1982 stehen die beiden Kahlköpfe schon Seite an Seite auf der Bühne. Wem mag es da verwundern, dass sie sich wortlos verstanden. Ein perfektes Zusammenspiel. Seit 2000 werden sie von Drummer Florian Schaub begleitet. Schaub hatte einst Jazzschlagzeug an der Musikhochschule in Amsterdam studiert und anschließend Auslandserfahrung gesammelt. Jüngstes Bandmitglied ist der gebürtige Pole Arnold Ogrodnik, der abwechselnd Bass und Keyboard bediente.

Schnell wurde mir klar, dass da versierte Musiker auf der Bühne standen, die den Blues verinnerlicht haben. Nichts war da gekünstelt. Ihr Blues war um Einiges druckvoller, als dass was ich am Vorabend in Bielefeld erlebt hatte. Übrigens, Pianist Rannenberg war einst Gründungsmitglied der Company und hatte der Band anfäglich sogar seinen Namen geliehen. Das Repertoire der Band führte zu den Anfängen des Blues. So gab es in reichlich zwei Stunden neben typischen Bluesstandards auch eigene Nummern, die in der Tradition eines B.B. King oder Muddy Waters standen. Wer sich die Reisekosten nach Chicago sparen möchte, kann getrost zu einem der nächsten Konzerte der Band gehen. Kennen Sie den Spruch: Don't forget the Boogie? Auch die Company hatten ihn nicht vergessen. Gut so!

* 15. Februar 2013: Christian Rannenberg & First Class Blues Band im Bielefelder Jazzclub
Manch einer behauptet ja, Bielefeld gäbe es gar nicht (siehe "Die Bielefeld Verschwörung").
Aber ich war nicht gekommen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ich war sozusagen Christian Rannenberg und Jan Hirte hinterher gereist. Doch die mussten schon frühzeitig in BI angekommen sein, denn ihr Wagen - leicht zuerkennen an dem Muha-Festival Klingenthal-Aufkleber an der Heckscheibe - parkte in der ersten Reihe, während ich Mühe hatte noch ein Plätzchen für mein Wagen auf dem Parkplatz vor der "Alten Kuxmann-Fabrik" zu finden.

Seit 1991 hat der Bielefelder Jazzclub e.V. sein Domizil in der Beckhausstraße. Hat man die enge, steile Treppe nach unten ohne nennenswerten Schäden überwunden, hat sein Obolus an der knallroten Kasse entrichtet, betritt man einen beschaulichen "Laden", der etwa 100 Leuten Platz bietet. Das anwesende Publikum war mehrheitlich jenseits der 50.

Nachdem obligatorischen Viertel betrat die Band die kleine Bühne; allen voran der aus Osnabrück stammende und in Berlin lebende Rannenberg. Der international hoch angesehene Pianist ist ein Meister auf dem klassischen Bluespiano und ein gern gesehener Gast nationaler und internationaler Bands. Konzentriert und ohne Showeffekte brachte er an diesem Abend alle Spielarten - vom gefühlvollen, melancholischem Blues bis zum schnellen Boogie dem Publikum zu Gehör.
Für die Showeinlagen war wohl eher Thomas Feldmann (voc, sax, harp) zuständig. Doch weit mehr als durch seine Einlagen und Plaudereien überzeugte mich der Mann mit seinen musikalischen Fähigkeiten. Wahnsinn - was für Töne dieser Mann seinem Saxophon entlockte. Und immer wieder habe ich mich gefragt, woher er wohl die Puste holt.
Die Gitarre spielte Jan Hirte. Ihn muss man wohl nicht mehr vorstellen. Mit seiner Band "Blue Ribbon" ist er eine feste Größe in der Berliner Szene.
Für den notwendigen Rückenhalt sorgte Schlagzeuger Tommie Harris, der eher unscheinbar im Hintergrund seine "Arbeit" verrichtete. Auf Bassist Kevin DuVernay an seiner Seite musste er wegen einer Erkrankung verzichten. Kurzfristig hatte man "Ersatz" gefunden. Der Name des Bassisten, der so tat als würde er schon immer zur Band gehören, ist mir leider entfallen.

Es lässt sich nicht verleugnen, dass ich dem etwas rockigeren Blues zugetan bin. Dennoch war es ein vergnüglicher Abend. Der Blues kennt halt viele Facetten! Nur an das "Herforder Bier" muss ich mich wohl noch gewöhnen.




* 09. Februar 2012: Hamburg Blues Band & special guests + Support in der Kulturgießerei Schöneiche
HILFE! Der Bluesfasching in Apolda, "Renft" in Halle (das letzte Konzert vor "Pitties" Tour mit Mitch), Melanie Dekker in Hoyerswerda, DIE Martens im "Manitu", "Engerling" am Müggelsee und die "Ruf-Karawane" bei Henry in Isernhagen!!!! Wie soll man sich da entscheiden?
Ich fuhr nach Schöneiche. Hausschuhbereich - würde es "Kulle" (ex-Lausitzblues) nennen. Und ich erlebte dort eine feine Überraschung! Die "Hamburg Blues Band"? Nö, die kannte ich ja schon. Es war der SUPPORT!

Die Kulturgießerei in Schöneiche ist vom Ambiente und der Größe her mit dem Maschinenhaus der Berliner Kulturbrauerei vergleichbar. Der "Laden" war trotz des reichhaltigen Musikangebotes im Umfeld sehr gut besucht. Aber das war mit Sicherheit dem Hauptact des Abends geschuldet. Doch bis die Stars aus HH antraten, sollte noch eine reichliche Stunde vergehen.
Pünktlich um 20.00 Uhr betraten drei junge Herren die Bühne: Andi Robson (voc, g), Lars Southoff (b) und Sebi Müller am Schlagwerk. "Urban Fox Connection" nennt sich die Band. Obwohl die Berliner schon seit 2011 gemeinsam musizieren, waren sie mir noch nicht untergekommen. Schnell wurde klar, woher sie ihre Inspirationen nehmen. Die erste Nummer war "Whole Lotta Love". Aber das Stück war kaum wieder zuerkennen. Dies ist bestimmt kein Makel. Im Gegenteil! In gut 60 Minuten präsentierten sie zwischen gecoverten Rock- und Bluesnummern auch Eigenes. Und wie sie das machten, war einfach nur gut. Das war durchweg moderner, kraftvoller Rock mit einem Touch Blues. Dank Frontmann Robson halte ich nun auch ihre erste Scheibe in den Händen. Leider blieb noch keine Zeit sie in Ruhe zu genießen. Spätestens wenn das nachgeholt ist, werde ich mir auf die Fahnen schreiben, die "Urban Fox Connection" nicht aus dem Auge zu verlieren.

Nach erstaunlich kurzer Umbaupause übernahmen Gert Lange (voc, g), Hans Walbaum (dr) und Michael "Bexi" Becker (b) die Bühne. Die Reihen vor der Bühne schlossen sich. Im Schlepptau hatten sie special guest Miller Anderson. Seinetwegen bin ich vor zwei Jahren, fast auf dem Tag genau (25. Februar 2011), bis nach Hannover gefahren.
Seit nunmehr 31 Jahren gibt es den Blues aus St. Pauli. Längst gehört die HBB zur Spitze der europäischen Bluesszene. Und mindestens seit 20 Jahren ist sie auch beim Bluesvolk im Osten keine Unbekannte mehr, denn mit schöner Regelmäßigkeit tourt die Band auch durch den Osten der Republik; mal mit Clem Clempson, mal mit Arthur Brown oder mit Chris Farlowe.
Es war eine Freude zu beobachten, wie die drei Hamburger sich mit ganzer Körperkraft in ihre Instrumente legten - besonders Drummer Walbaum leistete Schwerstarbeit; während Altmeister Miller eher ruhig und besonnen sein Arbeitsgerät bediente. Es dauerte auch nicht lange bis der Funken übersprang und die Schöneichner "in Brand setzte".
"The Hamburg Blues Band" zelebriert einen Blues, so wie wir Ostberliner ihn mehrheitlich lieben: kraftvoll, druckvoll und rockig; während andernorts sich bei manchem Bluesliebhaber die Fußnägel rollen. Das stellten sie schon mit ihrer ersten Nummer unter Beweis. "Rollin" stammt aus ihrem gleichnamigen Album aus dem Jahr 1999. Weiter ging es im Anschluss mit "Stony Time". Aber der Höhepunkt kam mit "Rattlesnake Shake"; einem herrlichen Stück von Peter Green, welches auch zugleich Abschluss des ersten Sets war.

Nach etwa 30 Minuten kam very special guest Maggie Bell auf die Bühne. Sie hatte ich noch nicht live erlebt und war deshalb der Hauptgrund meiner Anwesenheit in der Gießerei vor den Toren Berlins. Beachtliche 68 Jahre ist sie alt, was ihr mit Sicherheit nicht anzumerken war. Sie gilt als die britische Antwort auf Janis Joplin, steht schon seit dem Teenager-Alter auf der Bühne und hat bereits mit Rod Steward, Eric Burdon und "Led Zeppelin" zusammen gearbeitet.
Sie stieg mit "Wishing Well" ein. Der Song stammt wohl von Paul Rodgers mit den legendären "Free". Dieses Stück und das später folgende "Into The Night" findet man auch auf dem aktuellen Album "Mad Dog Blues", welches in 2000 veröffentlicht worden ist.
Den Abschluss fand das Konzert mit dem "Loisiana Blues". Aber so einfach lies man Frau und Band nicht von dannen ziehen.
Es war ganz große Klasse, was die Frau mit der markanten Bluesröhre an diesem Abend abgeliefert hat.
Im Programmflyer der Kulturgießerei stand in der Vorankündigung zu diesem Konzert ein letzter Satz: Es wird ein großer Abend. Das wurde er dann auch!

* 07. Februar 2013: Hajo BLUESROCK im Garbaty/Berlin
Ich gestehe, seit das "Garbaty" sein neues Zuhause in der Mühlenstraße gefunden hat, war es mein erster Besuch in dieser Berliner Location, und das obwohl ich das Programm regelmäßig verfolge. Nicht mal das bleibt verborgen, denn ich wurde von einigen Stammgästen mit den Worten begrüßt: "Nanun, du hier? Lange nicht gesehen."
Das "neue" Garbaty entpuppte sich als eine gemütliche Gaststätte mit Bühne. Etwas klein zwar, aber angenehmes Ambiente. Nur leider ist die Bühne nicht von allen "Ecken" aus einzusehen.
Noch immer gibt es Donnerstags regelmäßig Live-Musik. An diesem Abend stand Hajo Zoch auf dem Programmzettel. Hajo ist ein Urgestein der Ostberliner Rock- und Bluesszene. Ihn hatte ich letztmalig auf dem Bluesmessenjubiläum an der Seite von "Holly" Hollwas in Berlin-Mitte erlebt. Und das ist schon lange her. Seit 2012 spielt Zoch in einer Band mit neuer Besetzung und neuem Namen. Also doppelter Grund meiner Anwesenheit.
HAJO Bluesrock - nennt sich die neue Band. Bandleader ist Bassist und Sänger Axel "Atze" Thierbach. Er hat den Blues spätestens seit der "Treibholz-Blues-Band". An der Gitarre Jan Schachmann. Er war für mich bislang ein unbeschriebenes Blatt. Gut 60 Minuten (ab 22.00 Uhr ging es akustisch weiter) spielten sie "ihren" Blues: laut, hart und rockbetont. Einige Stücke waren auch astreine Rocknummern und zu meiner Freude war auch eine Lynyrd-Nummer dabei: T For Texas. Prima. Fazit: Der Besuch hat sich gelohnt. Übrigens, Hajo drosch wie in alten Zeiten auf sein eher unscheinbares Schlagwerk ein, dem man ansieht, dass es schon einiges mitgemacht hat.
* 02. Februar 2013: Engerling in der Kiste/Berlin
'Engerling in der Kiste' war ein Heimspiel und war obendrein die vorletzte Möglichkeit die Band zu erleben, bevor sie bis Anfang April auf Mitch-Ryder-Tour geht, die am 15. Februar in Isernhagen beginnt. Ergo war meine Anwesenheit "zwingend" erforderlich. Und das - obwohl die Bluescaravan in der Stadt war. Ungeachtet dessen war die "Kiste" sehr gut besucht, wenn auch nicht ausverkauft. Bis Mittag waren schon 60 Karten im Vorverkauf über die Bühne gegangen, sodass die Crew die Bestuhlung entfernt und zusätzlich den Kinosaal geöffnet hatte. Neben den Stammgästen der "Kiste"  und den Engerling- Hardcorefans Angela und Norbert samt Frau, waren mehrheitlich unbekannte Gesichter auszumachen. Das "Bluesvolk" war wohl dann doch im "Quasimodo".
"Engerling" ist seit mehr als 35 Jahren unermüdlich auf Tour und gehört heute noch immer zu den bekanntesten live-acts der ostdeutschen Bluesszene. Gegen 21.45 ging es los und im "Saal" war es eng geworden. Platz zum tanzen gab es nicht, aber schon mit der ersten Nummer begann sich das Publikum im Takt zu wiegen. Manch einer zog es dann doch lieber vor, das Event im Kino-Format zu genießen.
Bei dem vollen Haus hatte das Tresenpersonal alle Hände voll zu tun. Die Schlange vor dem Tresen nahm kein Ende. Ausgerechnet an diesem Abend hatte Kistenchef Fred Personalnotstand, sodass Engerling-Manager Gert Leiser kurzerhand am Zapfhahn aus half.
Wer die Band schon so oft erlebt hat wie ich, erwartet keine Überraschung mehr, weiß das da exzellente Musiker auf der Bühne stehen und kennt das Repertoire; kann voll in der Musik abtauchen und ist gespannt, welche Stücke aus dem unerschöpflichen Engerling-Fundus es wohl geben wird.
Und dennoch gab es an diesem Abend einen Coversong, den ich noch nie gehört hatte. Von den Engerling-Klassikern gab es den "Engerling Blues", das "Muschellied" und das "Herbstlied". Nach "Molls Party" folgte der "Moll Blues". Da hatte "Boddie" Bodag mal wieder ganz tief in die Kiste gegriffen, denn den hatte ich ja schon lange nicht mehr gehört. Von den neuen Stücken spielten sie zu meiner Freude den "Erlenkönig" und natürlich durften die Stonesnummern  und die ausgedehnten Improvisationen - ein Markenzeichen der Band - nicht fehlen. Die Zeit verging wie im Flug.

* 31. Januar 2013: Footsteps & The Wake Woods im Sage-Club/Berlin
"Footsteps" waren in der Stadt. Also nüscht wie hin! Dieses mal kamen sie zwar ohne Sardinas, aber mit "The Wake Woods". Diese junge Berliner Band hatte die Torgauer eingeladen. Gut so, denn so machten diese den opener.
Es war bereits 22.30 h  - und ich machte mir langsam Gedanken, wie ich den nächsten Tag überstehen würde - , als die Band endlich die Bühne betrat. Ein Bluesdomizil ist der Sage-Klub wahrlich nicht. So war es nicht verwunderlich, dass ich mir den Platz vor der Bühne mit "artfremden" Publikum teilen musste. Schlimmer noch - ich war mit Abstand der Älteste im "Saal". Egal! Aber erstaunlich, es war voll, sehr voll. Vierhundert Leute sollen da wohl rein passen.

"Rock at Sage" nannte sich die Veranstaltung. So war es nicht verwunderlich, dass "Footsteps" an diesen Abend ziemlich rockig daher kam. Kein Problem für die drei Herren, denn sie haben inzwischen ein umfangreiches Repertoire angehäuft. Auf zwei Alben - ausschließlich mit eigenem Material - können sie verweisen. An der dritten Scheibe wird gearbeitet. Von ihrem aktuellen Album präsentierten sie "Strong Breeze" und "Space Girl". Als dann "Trapped In The Blues" kam - ebenfalls vom aktuellen Album "Further", kam auch ich auf meine Kosten! Natürlich durfte auch ihre Version von "Crossroad" nicht fehlen. Und Marius Gebhardt brillierte mal wieder mit einem erstklassigen Solo. Aber besonders gefiel "Dualin Brothers". Diese Nummer kannte ich noch nicht. Nach reichlich 60 Minuten war schon Schluss mit lustig. Dieses mal waren es die Jungs selber, die gleich im Anschluss an das Konzert noch nach Hause wollten bzw. mussten. Dafür gab es einen gewichtigen Grund. Und wieder ein feines Konzerterlebnis. Ich möchte fast behaupten, es war mit Abstand das beste Footstepskonzert, welches ich bisher erlebte. Keine Ahnung woran es gelegen hat. Vielleicht an der Akustik, der Technik oder aber an der Band selber? Es stimmte alles. Die Jungs werden immer besser!
* 29. Januar 2013: open stage mit Mauro Pandolfino und Louey Moss im Hangar 49/Berlin
* 20. Januar 2013: Bielefelder Blues Börse in der Alten Kuxmann-Fabrik
* 19. Januar 2013: Bad Temper Joe in der Extra-Bluesbar Bielefeld
* 12. Januar 2013: 18. Neujahrsblues mit der "Jonathan Blues Band" & Gästen in der WABE/Berlin

Alle Jahre wieder beginnt in Berlin das neue Konzertjahr mit einer richtig feinen Bluesparty. Das haben wir den Jonathans zu verdanken. Allzu oft sieht man den Blues-Pabst nicht mehr auf den Bühnen des Landes, so ist der Neujahrsblues gewissermaßen zur "Pflichtveranstaltung" geworden, denn zur "Eastblues-Session" alljährlich am Ende des Köpenicker Blues- und Jazzfestivals bekommen mich nicht einmal die stärksten Riebeck-Pferde. Offensichtlich stehe ich mit meiner Meinung nicht allein da, denn das Bluesvolk strömte in Scharen in die WABE. Mir scheint es werden von Jahr zu Jahr mehr. Die WABE war brechend voll.

Die WABE - im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg gelegen -, ist an sich eine feine location, aber Pannen sind vorprogrammiert. Letztes Jahr begann man mit dem Einlass viel zu spät, sodass sich der Konzertbeginn um mehr als eine halbe Stunde verzögerte. Und im Jahr zuvor war sogar noch vor der Pause das Fassbier ausgegangen! In diesem Jahr schien alles glatt zulaufen, wenn da nicht die Bestuhlung gewesen wäre. Ich jedenfalls kann mich nicht erinnern, jemals auf einem Blueskonzert gesessen zu haben.

Das obligatorische Viertel war vorüber, als Frontmann Peter Pabst (voc, g), gefolgt von seinem langjährigen Begleiter Hagen Dyballa (bg, voc) und Drummer Mathias Fuhrmann die Bühne betrat. Im "Schlepptau" hatten sie Stammgast Bernd "Kuhle" Kühnert von "Monokel-Kraftblues". Los ging es mit einem echten Klassiker von Fred McDowell. Auch wenn sich die Band heute stärker an der internationalen Szene orientiert, bekommt man immer mal wieder einen ihrer Hits zu Gehör gebracht. Schön mal wieder den "Katzenfreund" gehört zu haben.

Immer wenn Jonathan spielt kann man sich auf hochkarätige Gäste einstellen. Es dauerte auch nicht all zulange bis der erste Gast die Bühne betrat - Bernd Kleinow. Kleinow gilt schon seit DDR-Tagen als einer der besten Harper der Ostbluesszene. Man war sich nicht fremd. Hatte doch Kleinow in den Anfangsjahren regelmäßig mit der "Jonathan Blues Band" zusammen gespielt. Sein Auftritt - ein echter Leckerbissen. Längst hatte der harte Kern die Plätze verlassen. Die Reihen waren ins Wanken geraten. Er überzeugte mich besonders mit der Mayall-Nummer "Walking on Sunset" vom 68er Album "Blues from Laurel Canyon" - meinem Lieblings-Mayall-Album.

Als dann "Rockhaus-Mike" kam, wurde es richtig rockig. Man will es kaum glauben, Kilian kann auch richtig leise, wie er bereits in den Vorjahren an gleicher Stelle unter Beweis gestellt hatte. Bei "Oh well" lief er zur Höchstform auf. Dann kam mit Angelika Mann, die von allen nur liebevoll "Die Lütte" genannt wird, ein weitere Stargast auf die Bühne und brilierte mit Janis Joplin. Kaum einer weiß noch, dass die "Lütte" in den frühen 1970er Jahren mal die Frontfrau von "Medoc" gewesen war. Ihretwegen bin ich damals bis nach Leisnig, in den "Schwan" nach Hartha und ins Döbelner "Volkshaus" getrampt. Ihre Stimme hat bis heute nicht an Faszination verloren.

Nach der Pause übernahm nochmals Mike Kilian das Mikrofon. Inzwischen waren auch Gerhard "Hugo" Laartz (keyb) - einer der dienstältesten Ost-Rocker - und die Saxophonistin Mercedes D. Wendler von der "Modern Soul Band" auf die Bühne gekommen. Der Abend neigte sich dem Ende entgegen, als Kilian die Stones-Klassiker "Brown Sugar" und "Gimme Shelter" brachte und damit die Stimmung im Saal nochmals richtig anheizte. Damit wollte er wohl etwas Eigenwerbung machen, denn am 1. Februar ist er an gleicher Stelle mit seiner Stones-Coverband "Starfucker" zu erleben.

Inzwischen war es kurz vor Mitternacht und alle Akteure versammelten sich zum großen Finale auf der Bühne. Als man dachte es sei endgültig Schluss, sorgte Bernd Kleinow mit "Bye, bye Bird" nochmals für einen unvergesslichen Höhepunkt. Und das Publikum dankte mit lang anhaltenden Beifall.
Freuen wir uns auf nächstes Jahr!