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Ich wurde in letzter Zeit häufig gefragt, was der Distelmann mache. Ja, so genau weiß ich das auch nicht. Aber ich hoffe, er ist gesund, sitzt gemütlich am Ammersee, streicht sich über den Bart und vielleicht hört er ja gerade den „Reichsbahnblues“. Der „Blues-Kaiser der DDR“ hat längst die Gitarre beiseite gelegt.
Distelmann wurde 1949 in München geboren und zurück nach Bayern zog es ihn, als er 1985 nach einem Sologastspiel in Hildesheim nicht mehr in die DDR zurückkehrte.
Schon als Kind
beschäftigte er sich mit dem Blues und brachte sich autodidaktisch das
Gitarrenspiel bei. Seine ersten Auftritte hatte er bei den „Teddys“. Danach
spielte er in verschiedenen Amateurformationen, bis ihn 1975 Axel Stammberger
in seine Bluesband „Vai hu“ holte. Doch lange blieb er da nicht. Nach kurzer
Zusammenarbeit mit den Engerlingen, gründete er 1977 die „Stefan Diestelmann
Folk Blues Band“. Die Band besaß Kultstatus, obwohl sie sich stilistisch
deutlich von den übrigen Berliner Bands unterschied, und Distelmann selbst
wurde einer der führenden Köpfe der DDR-Bluesszene. Markenzeichen wurde sein
„authentischer“, an den US-amerikanischen Bluesmusikern wie B.B. King und Muddy
Waters orientierter Blues und seine „urwüchsigen“ Texte.. Mit seinen Texten und
seiner Nähe zum Publikum „eckte“ Diestelmann immer wieder mit der Staatsmacht
an. Die Folge waren Sanktionen bis hin zu Auftrittsverboten. Dennoch erhielt er
die Möglichkeiten zu Rundfunkproduktionen, Schallplattenaufnahmen und fand
Beachtung in den Medien. Zwischen 1978 und 1985 nahm er vier Langspielplatten
auf. Die LPs „Stefan Diestelmann – Folk Blues Band“ und „Hofmusik“, aufgenommen
mit zahlreichen Gastmusikern wie Volker Schlott, Gerhard Eitner, Alexander
Blume, Lothar Wilke und Regine Dobberschütz, gehören zweifellos zu den
Raritäten in meiner Plattensammlung. In den frühen 1990er Jahren nahm Diestelmann fünf CDs auf, konnte jedoch nicht an seine Erfolge in der DDR anknüpfen und zog sich aus dem Musikgeschäft zurück.