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Johannes Biebl
Trotz einer vielseitigen und stark beachteten Musikerkariere in der DDR,
ist es heute ziemlich still geworden um ihn. Biebl war nicht nur einer der
versiertesten Gitarristen, sondern trug neben „Boddi“ Bodag dazu bei, dass der
Berliner Blues eine eigene, unverwechselbare deutsche Note erhielt.
Biebls Kariere nahm seinen Anfang in den 1960er Jahren, als die Beatlesmania
auch die DDR erreichte. Begonnen hat er in der „Reichert-Combo“, wechselte
später zu den „Atlantics“, den „Berolina-Singers“ und den „Alexanders“. Von
1968 bis 1971 gehörte er der „Modern Soul Band“ an. Danach durchlief er die „Kaderschmiede“
von Klaus Lenz und landete 1973 bei Reinhard Lakomy.
1974 gründete er die „Hans-Biebl-Blues-Band. Als 1975 die Bandmitglieder
Eberhard Klunker und Olaf Wegner (heute „Windminister“) auf spektakuläre Weise
die DDR verlassen hatten, erhielt die Band Auftrittsverbot und wurde aufgelöst.
Biebl ging daraufhin zu Veronika Fischer und spielte später bei „4 PS“.
1978 kehrte er mit der „Hansi-Biebl-Band“ zurück in die Bluesszene und eroberte sich schnell einen führenden Platz. Bereits ein Jahr später erschien die erste Langspielplatte bei Amiga. Die Texte schrieb damals übrigens Thomas Schmitt von „MTS“. Nachdem Erscheinen der Platte öffneten sich für die Band auch die Türen bei Funk und Fernsehen. Der musikalische Stil der Band war noch immer vom Blues beeinflusst, wobei deutliche Folk- und Jazzeinflüsse nicht zu überhören waren. Interessant war auch die Besetzungsliste dieser Band. Neben Willi Becker (bg), Michael Kaszubowski (bg), Peter Krause (dr) spielte auch zeitweilig Stefan Schirrmacher (g). „Schirrmchen“ spielt heute neben „Lefty“ Linke in der Schocktherapie von Dr. Kinski. Auch Herbert Junck saß bei Biebl am Schlagzeug. Junck wechselte später zu „NO55“ und „Silly“. Der Bassist Christian Liebig, der zuvor bei „Freygang“ und später bei „Engerling“, „MSB“ und „Karat“ spielte, gehörte ebenfalls zeitweilig zur Band. In der Besetzung Biebl, Junck und Liebig avancierte die Band zur angesagtesten Bluesrockband. Doch die Blueseuphorie im Osten war bereits am abklingen. 1982 löste Biebl die Band auf und ging 1984 in die BRD. 1990 kehrte er nach Berlin zurück und startete mit Maik Pönisch (voc, bg) und Herbert Junck (dr) ein Comeback. Für Junck, der am 31. Mai 2005 verstarb, kam 1995 Olli Becker in die Band. Becker hatte in den 1980er Jahren bei "Jessica" angefangen und trommelte von 1990 bis 1994 bei der "Jonathan Blues Band". Seit 2006 sitzt er in "Speiches Monokel Blues Band" am Schlagzeug.
1998 veröffentlichte Biebl bei Buschfunk mit „Unter den Wolken“ sein drittes Album. Der erwartete
Erfolg blieb jedoch aus.