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Johnny Mastro & Mamas Boys gastieren in der Turmvilla
Bad Muskau Sie kommen aus dem Kalifornien des Hier und Jetzt und spielen einen kraftvollen, rauen, dreckigen Blues der durch Mark und Bein geht – Johnny Mastro & Mamas Boys. Man könnte diese Art von Blues auch Ende der 40er-Jahre Anfang der 50er in Chicago gehört haben.
"Dies ist eine Kampfansage an den rotzfrechen Nachwuchs.
Hört genau zu, Ihr zungengepiercten Technohopper mit dem Arschgeweih
über dem Steißbein:
Ihr wart nicht dabei! Wir - Vierziger bis Sechziger - haben sie live
erlebt: die Geburt des Synthesizers und den wahren Soundtrack der 70er,
der von Bands wie Depeche Mode, Cure und Yazoo geschrieben wurde.
Wir haben noch mit Midischleifen und Oszillographen gekämpft! Wir haben
Euren "Tekkno" erfunden, bei uns nannte sich das aber noch Wave und war
tatsächlich Musik. Wir konnten durchtanzen, ohne uns bunte Pillen
einwerfen zu müssen, um es zu ertragen. Unsere einzige Droge hieß Blue
Curacão auf Sekt, noch früher genügte eine ordentliche Menge Apfelkorn.
Wir mußten noch keine Angst haben, dass uns Tina Turner mit
Seniorenoberschenkelhalsbruch von der Bühne purzelt. Wir haben Madonna
noch mit festen Brüsten und ohne Baby-Pause gekannt, Ihr Nasen! Joschka
Fischer trug Jeans und Turnschuhe. Echte Punker hatten Uhu in den Haaren
und kein "L'Oreal". Bei uns haben sich keine Neonazis mit Türken
geschlagen, sondern Punks mit Mods, Mods mit Poppern, Popper mit Rockern
und alle gemeinsam gegen mit der Polizei. Da war auch Joschka dabei.
Bei uns gab es noch Mofas mit amtl. verbrieften 113 Km/H, Mokicks und
80er, bei denen durchgängig die Betriebserlaubnis erloschen war, denn
das Wort "frisieren" hatte damals noch seine eigentliche Bedeutung, was
ihr kahlgeschorenen Pfeifen nie verstehen werdet. Und wer einen
Führerschein hatte, fuhr als erstes Käfer mit 60 PS und Trommelbremsen
oder einen alten BMW, bei dem Dellen von Individualismus zeugten, ihr
Smart-Popel!!!
Wir erinnern uns noch an Terroristenfahndungsplakate, auf denen hin und
wieder ein Gesicht liebevoll mit Kulli von einem Staatsbediensteten
durchgestrichen wurde.
Die Bundeswehr machte noch Spaß. Wir kannten ja die Richtung, aus der
der Feind kam.
Sex war sicher und Motorsport tödlich. Heute ist es genau anders herum.
Ein Tattoo hatte nur jemand, der wirklich ein halbes Jahr in Indien oder
Thailand war. Bei uns rannte nicht jede Tippse schnell noch ins "Letzte
Tatoo-Studio vor der Autobahn", um sich im Alcopops-Brand chinesische
Zeichen auf den Nacken pieksen zu lassen, die wahrscheinlich nichts
anderes bedeuten als "Wer das liest ist doof".
Die Rapper kamen noch aus dem echten New Yorker Ghetto und nicht aus der
Schweiz. Zu unserer Zeit fielen Break-Dancer auf den Fussgängerzonen
noch hin und wieder richtig auf die Fresse, und Peter Maffay wurde beim
Stones-Konzert ordentlich von der Bühne gepfiffen.
Wir hatten noch die Qual der Wahl zwischen Pop, Rock, Metal und
Italo-Disco und mussten nicht den wöchentlich ändernden
Cross-over-Trends nachjapsen. Wir hatten noch Plattenspieler (auf 33"
und 45") und richtig geile Plattencover, auf denen man die Namen der
MUSIKER (und nicht der Programmierer) ohne Lupe erkennen konnte und die
tatsächlich Kunst waren - keine tempotaschentuchgroßen, einfarbigen
Booklets auf denen gerade noch "nice price" lesbar ist.
Genau die gleichen Texte, die heute "Rosenstolz", "Juli" und
"Silbermond" singen, hörte man jeden Samstag in der ZDF-Hitparade von
Bernd Clüver, Christian Anders und Cindy& Bert.
Für uns war eine LP etwas Heiliges, das gepflegt und geliebt werden
mußte - und keine CD-Plastik-Wegwerfware, die so robust ist, dass man
sie durchaus auch als Bierglasuntersetzer verwenden kann. Bei uns
erkannte jeder sein Eigentum noch an den individuellen Kratzern. Wir
haben kein Big-Brother geschaut, sondern "Formel Eins", wo es eine ganze
fette Stunde wirklich gute Musikvideos zu sehen gab, wir hatten kein MTV
mit degenerierten Klingelton-Werbespots und eingebildeten DJ-Flaschen
nötig. Wir haben uns "Magnum" und "Simon& Simon" reingezogen, haben uns
die Sakkoärmel hinauf geschoben und ließen uns die Haare seitlich ins
Gesicht fallen - ohne diese beknackten, umgedrehten Baseballmützen oder
Wollhauben. In unseren Hosen konnte man noch sehen, ob eine(r) einen
Hintern hatte. Heute hängt der Arsch ja bei jedem von Euch in der
Kniekehle der ach so tollen addidas-Jogginghose (die WIR damals nur im
Sportunterricht angezogen haben). Man konnte erkennen ob jemand
"männlich" oder "weiblich" war. Heute verschlabbert alles unter
kunstvoll vergammelter Bekleidung. Wir waren stolz auf unsere weißen
Socken und trugen Slipper mit einem Pfennigstück in der Schuh-Zunge und
keine Plateau-Sohlen-Schuhe, die früher ausschließlich bei Klump-Füßen
ärztlich verschrieben wurden.
Und weil ihr gerade im Leistungskurs für Informatik sitzt:
die AC/DC Einritzungen auf den Tischen sind von UNS - und es geschieht
Euch nur recht, wenn ihr glaubt, dass die Dinger aus dem Physiksaal
kommen, wo irgendein findiger Schüler seinerzeit die Abkürzung für
"Gleichstrom/Wechselstrom" in die Bank gemeisselt hat!
Ach ja, hiermit entschuldige ich mich, auch im Namen meiner
Altersgenossen, für Modern Talking. Das haben wir wirklich nicht gewollt."
(10.03.2010)

Der Reiz der Mundharmonika lag in der schmucken Verpackung und dem metallisch-glänzenden Instrumentendesign. Ihr extrem niedriger Preis machte sie sogar für Habenichtse erschwinglich. Schon für einen Nickel (=Fünfcentstück) konnte man um die Jahrhundertwende eine Harmonika erwerben, die dann vor dem ersten Weltkrieg einen Dime (=Zehncentstück) kostete. Zwischen den Weltkriegen musste man 25 bis 50 Cents für ein Exemplar berappen, danach ungefähr 2 Dollar.
Anspruchsvollere Modelle kosteten entsprechend mehr, was bereits die finanziellen Möglichkeiten von so manchem jungen Spieler überstieg. Ich ging in dieses Pfandleihhaus in der Unterstadt, wo ich eine Marine Band Harmonika im Schaufenster gesehen hatte, erzählt Junior Wells. Ich hatte einen Job, arbeitete die ganze Woche und am Samstag gab man mir eineinhalb Dollar. Eineinhalb Dollar für eine ganze Woche Arbeit! Der Pfandleiher wollte 2 Dollar für die Mundharmonika haben. Ich sagte ihm, dass ich das Instrument haben muss und ob ich den Rest nächste Woche bezahlen könnte. Er sagte: Nein! Dann musste er kurz vom Ladentisch weg, ließ aber die Mundharmonika liegen. Ich legte meine eineinhalb Dollar hin, schnappte die Mundharmonika und war auf und davon. In der Gerichtsverhandlung fragte mich der Richter, warum ich das gemacht habe. Ich sagte, ich musste die Mundharmonika haben. Der Richter forderte mich auf zu spielen und ich gab eine Kostprobe. Er nahm seinen Geldbeutel heraus, gab dem Mann seine 50 Cents und brüllte: Verfahren eingestellt!
Bis 1870 hatte sich die Harp zu einem gebräuchlichen Instrument der schwarzen Volksmusik entwickelt. Der Blueskomponist und Bandleader W. C. Handy erinnerte sich daran, dass er schon in den späten siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Musiker Fuchsjagd- und Eisenbahnimitationen auf der Mundharmonika spielen hörte. Wahrscheinlich war die Mundharmonika unter der schwarzen Bevölkerung auf dem Land sogar das beliebteste Musikinstrument und verantwortlich dafür, dass die Fiedel allmählich verschwand, die lange Zeit den Ton angegeben hatte. Während die Väter noch Geige spielten, wechselten die Söhne zur Mundharmonika.
Das Hosentascheninstrument konnte man leicht mit zur Arbeit aufs Feld nehmen, die Fiedel nicht. Manche Plantagenbesitzer engagierten sogar Musiker, um für die Baumwollpflücker bei der Ernte zu spielen, weil die Leute sich beim Klang einer Mundharmonika das Herz aus dem Leib arbeiteten, wie Junior Wells aus eigener Erfahrung berichtet.
Für den Blues war die Mundharmonika das ideale Instrument. Mit ihren quasi-menschlichen Eigenschaften fügte sie sich nicht nur organisch in den normalen Atmungsvorgang ein, sondern kam auch klanglich der Stimme recht nahe, auf der die Ausdruckskraft des Blues basiert. Auf der French Harp ließen sich Klänge bis ins kleinste Detail modellieren. Man konnte Töne biegen, und ziehen, das Instrument seufzen, stöhnen, weinen und lachen lassen und so seinen Gefühlen ganz unmittelbaren Ausdruck verleihen. Die Harp wurde zum Gesprächspartner des Bluessängers, die andere Stimme, die auf fast menschliche Weise antwortete. Schon früh hatte sich eine Technik eingebürgert, die cross harp-Spiel genannt wurde und darauf hinauslief, dass man ein Instrument wählte, das eine Quarte höher gestimmt war, als die Tonart, in der man musizierte. So war es möglich, zusätzliche Töne in das Spiel miteinzubeziehen, die durch eine Veränderung des Mund-Rachenraums entstehen. Die sogenannten Bendings (=gebogene Töne) sind nicht fest in die Mundharmonika eingebaut und können bei bestimmten Noten einen Tonumfang von drei Halbtönen umfassen, wobei die Kunst darin besteht, in diesem Tonraum die blue notes genau zu treffen. Bei den Blues Harps handelte es sich normalerweise um einfache diatonische Richter-Modelle mit zehn Löchern, wobei das Marine Band Modell, das 1896 von Hohner auf den Markt gebracht worden war, mit Abstand am beliebtesten war.
Bis heute hat die Bluesharmonika wenig von ihrer Faszination eingebüßt. Alle paar Jahre schwemmt ein neues Blues-Revival das Instrument wieder nach oben, wobei eine starke Fraktion von Neo-Traditionalisten das klassische Bluesharp-Spiel am Leben erhält. Musiker wie Billy Branch, Rod Piazza, William Clarke, Paul Lamb oder Kim Wilson sehen die Bluesentwicklung mit Little Walter eigentlich als abgeschlossen an und legen ihr Hauptaugenmerk auf die Interpretation der Tradition. Im Unterschied dazu stoßen Bluesharp-Erneuerer wie John Popper und Sugar Blue in Neuland vor. Ihrer Meinung nach ist das letzte Wort in der Entwicklung des Blues noch lange nicht gesprochen, und deshalb versuchen sie mit avancierten Spieltechniken, die Grenzen weiter hinauszuschieben. Was auch dadurch zu erreichen ist, dass man die klassische Blues-Besetzung aufbricht und in einen neuen Kontext stellt. Ein Pionier auf diesem Feld ist Corky Siegel, der mit seinem Chamber Blues-Projekt eine Synthese von Bluesharmonika und klassischer Kammermusik anstrebt.
In Europa hat der Blues in den sechziger Jahren Wurzeln geschlagen. Vor allem in Großbritannien pulsiert eine lebendige Szene. Einige der Pioniere der Anfangszeit sind bis heute aktiv. Der Bandleader und Harmonikaspieler John Mayall, dessen Gruppen einst die Keimzelle des englischen Blues bildeten, machte nach einer Pause unlängst wieder mit soliden Produktionen auf sich aufmerksam, während Paul Jones, ehemals Leadsänger bei Manfred Mann, mit seinem Mundharmonikaspiel den Sound der Blues Band prägt. Jüngere Musiker kamen dazu. Paul Lamb, von dem Mark Knopfler sagt, dass er Bluesharmonika spielt, wie es besser nicht geht, ist fünfmal in Folge zum besten Harpspieler der englische Szene gewählt worden und hat sich mit seiner Gruppe The King Snakes international eine beachtliche Reputation erworben. Rory McLeod, ein Weltreisender in Sachen Musik, spielt außer der Mundharmonika noch etliche andere Instrument und tritt bevorzugt als Solist auf, wobei er neben diversen Rootsmusic-Einflüssen auch Bluestraditionen aufgreift und verarbeitet. McLeod war zeitweise Mitglied der Neo-Jug-Band Have Mercy, wo er auf seinen Landsmann Steve Baker traf, einen anderen führenden Bluesharpspieler in Europa. Baker lebt seit Jahren in Deutschland. Er hat bei Plattenproduktionen und Tourneen von Udo Lindenberg und Franz-Josef Degenhardt mitgewirkt und ist im Duo mit seinem Gitarrenpartner Chris Jones durch die Bluesclubs der Republik getingelt, wo er auf andere vorzügliche Harpspieler wie Klaus Kilian, Udo Wolf und Berhard Dill traf.
gefunden bei Dieter Jonas (Bluesharp Jones)
(16.02.10)
André Greiner Pol ist tot
Von Anja Hotopp und Mieste Hotopp-Riecke
Der Sänger und Gründer der legendären Band FREYGANG starb am 15. Dezember in Berlin.
„Hier riechts nach Stall. Hier wirkt vieles noch natürlich.“ So André Greiner-Pol nach einem Konzert in Wannefeld 1993. Die Altmark sei seine „zweite Heimat“ so der Bluesrocker vom Prenzlauer Berg. Da lagen schon einige Jahre regen Altmärker Konzertlebens hinter seiner Band Freygang. Von Zienau, Sachau und Tangerhütte im Süden über Bismark, Packebusch, Kalbe und Osterburg bis nach Beetzendorf, Salzwedel, Mechau und Arendsee im Norden der Altmark – auf Open Airs, in Klubs und auf Privatfeiern lernte die Band um André Greiner-Pol (AGP) die Altmark kennen und lieben. Die Fans dankten es mit ehrlicher Hingabe und fester Treue – über Jahrzehnte. So pilgern seit Jahren schon Familien in zwei Generationen zu Konzerten.Angefangen hatte es 1977 in Berlin. Nach vergeblichen Versuchen sich in andere Bands einzuklinken, gründet Greiner-Pol schließlich seine eigene Combo: Freygang. Es folgten verschiedene Besetzungen und Auftritte mit Blues, Rock und Jazz in Gasthöfen und Jugendclubs. Zu DDR-Zeiten wechselten sich dann enorm erfolgreiche Konzerte und Auftrittsverbote ab. Höhepunkt war wohl das legendäre Open Air in Ketzin vor über 7000 Fans 1983.
Bands aus der Altmark wie „Nachdurscht“, „Bordstein“, „Die Abgeordneten“, Gemeinschaft“ oder „Aktion Steinreich“ sahen auf zum Freibeuter aus Berlin und spielten gern und oft mit Freygang zusammen. Und auch Menschen, die es nicht so oft auf Live-Konzerte der schafften, ließen sich leiten von der Freiheit Freygangs, die man sich nehmen muss. Roland Bosse, Vater von Freygang-Gitarrist Brian und selbst Gitarrist bei den Altmärkern „Old&Grey“ meint dazu: „Ich habe André und Gerry zum ersten Mal bei Pasch im Exlibris in Magdeburg im Januar 1988 erlebt. Dieses rotzige, trotzige und unangepasste Auftreten, seine Ausstrahlung waren immer das, was mich fasziniert hat, wahrscheinlich habe ich ihn auch damals schon bewundert und auch ein wenig beneidet für seine kompromisslose Haltung ohne Rücksicht auf die persönlichen Folgen. Dieser André Greiner Pol stach zu Zonenzeiten und auch danach unter Rockmusikern immer heraus. Wenn sich einer hat nie verbiegen und verführen lassen, dann ist er es“.
War Greiner-Pol Identifikationsfigur für die große Fangemeinde, so war Freygang auch im kleineren Rahmen für die große `Familie` da: Ob zur Verlobung von Frauke und Ameise 1992 in Calvörde, zu diversen Geburtstagen von Freunden in Schinne und Schernikau oder zur Hochzeit von Mieste und Anja Hotopp 2005 in Packebusch, Freygang kam mit Käptn AGP.
In seinem kleinsten Kreis hinterlässt André Greiner-Pol seine Freundin und Freygang-Managerin Delia Müller und Tochter Cayen.
In der Zeit vor der Wende führte die enge Bindung zu den Fans mitunter zu Vorfällen, bei der die Stasi ins Spiel kam. So 1988 als Torsten Grass (Oebisfelde), Tino `Papa` Heinrichs und Steffen ´Mieste` Riecke(beide aus Mieste) ihren Geburtstag gemeinsam mit ´ihrer´ Band Freygang feiern wollten. Nachdem Versuche die Party offiziell in Letzlingen, Osterburg, Stendal oder Mieste anzumelden, scheiterten, Getränke, Essen und Technik aber bereits bestellt waren, feierte man im Pfarrgarten der Evangelischen Kirche. Doch längst nicht alle Gäste erreichten ihr Ziel. In Schwerin, Stendal und Leipzig wurde nach Personenkontrollen Party-Verdächtige mit Reiseziel Mieste von der Transportpolizei festgenommen und zur Umkehr gezwungen. Betriebskampfgruppen aus Letzlingen lagen an der Bahnstrecke zwischen Solpke und Mieste, Hubschrauber der Grenztruppen kreisten über dem hermetisch durch Polizei abgeriegelten Dorf in der Sommerhitze. Wer doch sein Ziel erreichte, dem wurde der Ausweis abgenommen. Dies alles nur weil unangepasste Leute sich zu Bier und Musik treffen wollten. Begründung der drastischen Maßnahmen: Es würde ein geplanter gemeinsamer Grenzübertritt – Republiksflucht – erwartet. Letzte Zuckungen einer paranoiden Staatsmacht.
Die große Freygang-Familie feierte nicht von ungefähr ihren 30. Geburtstag in der Altmark. Im letzten Jahr organisierten die treuesten Fans das Jubiläumskonzert in Packebusch, Schwein am Spieß inklusive.
Ob des unerwarteten Todes konnte das vorweihnachtliche Konzert in Tanna bei Zeitz am vierten Adventswochenende nicht mehr abgesagt werden, eine musikalische wie moralische Herausforderung für die Besatzung des Piratenschiffes Freygang: Egon Kenner (Gitarre), Tatjana Besson (Bass/Flöte), Maik Smolle (Drums) und Brian Bosse aus Mieste (Gitarre). Doch Brian ist nicht der einzige Altmärker der den Weg vom Fan bis zum Bandmitglied zurücklegte. Fester Bestandteil der Performance ist auch Ralf-Uwe `Ameise` Faatz. Meist spät am Abend entert der gebürtige Oebisfelder die Bühne und rockt auf seine eigene Art unter Einsatz seiner Mundharmonika. Auch Bandbus-Fahrer und Fan-Artikel-Verkäufer Torsten Grass nahm den Weg vom Oebisfelder Freygang-Fan nach Berlin zur Freygang-Familie. Ein sehr emotionales und professionelles Konzert bekamen die aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen geströmten Fans da im „Kuhstall Tanna“ geboten. Trauernde und feiernde Herzen vereint im Tanz. Auch Tangerhütter, Stendaler und Wolmirstedter waren vertreten.
Die Beisetzung von André Greiner-Pol fand auf dem Berliner Parochial-Friedhof statt. Organisiert von Delia, seiner Lebensgefährtin, und der Band, durften auch die Freunde des Kapitäns die letzte Ehre erweisen. Gekommen waren fast 500 Menschen aus ganz Deutschland. Die Familie, Fans aus allen Bundesländern, ehemalige Weggefährten und Bandkollegen. Neben Rockern aus Brunau-Packebusch standen Musiker von Rammstein, Kirsche & Co. und In Extremo, neben Miester, Oebisfelder und Stendaler Fans die Bandkollegen von Freygang, Ichfunktion und der Firma. So hatte dieser Abschied auch etwas von Wiedersehen.
Auszug aus einem Artikel von Mieste:
Legendary Blues Cruise
vom 17. bis 24.Oktober haben meine Frau und ich an der Legendary Blues Cruise im Pazific teilgenommen.
1270 Bluesfans aus den USA,Kanada,Norwegen,Russland und...Deutschland hatten nur eines im Sinn: Bluesmusik und Party.
wenn sich 1270 Bluesverrückte auf einem Kreuzfahrtschiff treffen und alle nur wegen der einen Sache dort sind dann ist es praktisch wie ein Familien treffen.
Die
Veendam ist ein modernes Kreuzfahtschiff der Holland-Amerika Linie. Die
Besatzung besteht aus Niederländern, Amerikanern und Deutschen in den
Funktionen und ausschliesslich Menschen aus Bali die das Catering
besorgen und dieses mit einer ausgesprochenen Freundlichkeit.
Da das
Schiff 357 Tage im Jahr zwischen Alaska und Mexiko verkehrt und
ausschließlich die "Normalen" Kreuzfahrtgäste beherbergt, freuen sich
alle auf diese 1 Woche im Oktober wenn die BLUESER an Bord kommen. Für
die Besatzung bedeutet das: kein Uniformzwang, wer frei ist darf auch
Feiern gehen und es gibt keine Beschwerden, keine Klagen übers Essen
oder sonst irgendwelche unangenehmen Erfahrungen, alle sind gut drauf
und easy going.
In den Gängen und auf dem Achterdeck roch man zu jeder Zeit das einige dem Genuss eines Joinst
frönten. Vom 1. Moment des Ablegens in San Diego bis zum Anlegen eine Woche später ist Party angesagt.
Wir hatten eine Kabine mit Terrasse so das wir auch dort einmal ungestört in der Sonne liegen konnten und rauchen durften.
Das
Essen war Spitzenklasse, der Chefkoch ein Deutscher aus Wuppertal, der
2.Chefkoch ein Inder. Man konnte, wenn einem danach war, rund um die
Uhr etwas zu Essen bekommen...eine Küche war immer geöffnet, eine Bar
auch.
Trotz des sehr verlockenden Angebots habe ich in einer Woche 2
Kilo abgenommen, jeden morgen 1/2 Sport und das gute Essen waren die
Ursache.
Beim morgentlichen Sport, und sei es nur das baden im Pool
gewesen, konnte man fast ausschließlich Musiker antreffen oder junges
Bluesvolk.
Das war dann auch die beste Gelegenheit sich in aller Ruhe mit seinem Bluesmusiker zu unterhalten.
Es
gab durchaus auch andere Gelegenheiten, denn die Musiker haben im
Durchschnitt nur alle 2 Tage einen Gig, sich mit ihnen zu unterhalten.
Alle auf einem Boot bedeutet auch das sie eventuell beim Frühstück oder
Abendessen neben dir sitzen oder an der Bar zu finden sind oder neben
dir in der Sonne liegen und die Musik und das Wetter genießen. Ich habe
die Erfahrung gemacht das sie einfach darauf warten angesprochen zu
werden um ihre Geschichte zu erzählen oder ganz einfach nur zu plaudern
und Spass haben wollen. Einige sind aber auch sehr gesprächig.
Lonnie
Brooks, Lil Buck Senegal, Leon Blue und Ronnie Baker Brooks waren
überall zu finden und immer bereit Geschichten zu erzählen. Als es sich
herum gesprochen hatte das wir 1. aus Deutschland kommen und 2. das ich
Radio mache erhöhte das die Gespächsbereitschaft noch einmal um einiges.
Lonnie
Brooks (74) erzählte mir von seiner Tour 1981, als er u.a. in Hamburg
gastierte und Rainer Baumann (Hamburg Blues Band) ihn begleitete, das
er dabei war als es auf dem Hamburger Dom ein Unfall geschah und das er
nach seiner Scheidung Deutshland als Zufluchtsort ausgewählt hatte. Ich
habe ihm gesagt das er herzlich willkommen ist und ich noch nicht
wusste das unser Land ein Paradies für Geschiedene sei.
Lil Buck
Senegal wusste über einen Vorfall zu berichten der sich Anfang der
70ger in Frankfurt ereignet hatte. Einer der Musiker lag morgens Tod in
seinem Bett. Man hatte vergeblich auf ihn gewartet und als er auf's
klopfen nicht reagierte auf amerikanische Weise die Tür eingetreten.
Der Pensionswirt rief daraufhin die Polizei herbei und die nahm erst
einmal alle 3 verbliebenen Musiker in Gewahrsam. Lil Buck, damals 20
Jahre jung, war sehr erschrocken, dachte er doch das man ihn wegen des
Toten verhaftet habe (die Polizisten waren des Englisch nicht mächtig)
und so wanderten sie erst einmal auf die Polizeiwache........
Leon
Blue erzählte mir das ihn Muddy Waters einmal anrief weil Otis Spann
seinen Flug verpasst hatte und Muddy dringend einen Pianisten für den
Abend brauchte. Also rief er den Ortsansässigen Leon Blue an. Der
sprang naürlich gern in diese Lücke und nachdem das Konzert begonnen
hatte tauchte dann auch Otis Spann auf. Otis wollte den Platz am Piano
einnehmen und Muddy beschied ihm:" we don't need an Otis Spann II".
Was natürlich Musik in den Ohren von Leon Blue war.
Und
dann gab es noch eine nicht Jugendfreie Geschichte aus Hamburg, es
handelt sich dabei um Damenbekanntschaften, das Ende der Geschichte sei
hier erzählt: Say called me: Schwarzer Teufel. Er wusste tatsächlich
noch die deutschen Worte für "Black Devil".
Am Cabo Skt.Lucas
(Mexiko) sollten wir eigentlich an Land gehen aber ein aufziehender
Hurricane verhinderte das aus-bzw. einschiffen von 1270 Menschen. Nur
Rod Piazza und Ehefrau Honey wurden an Bord geholt da sie die Abfahrt
in San Diego verpasst hatten.
Das Blues-Schiff fuhr wieder gen Norden um den Ausläufern des Hurricanes zu entgehen... auch gut.
Am
Tag darauf mussten wir dann doch in Ensenade anlegen, wegen des
entgangenen Anlegens am Cabo Skt.Luca und einem aneren Ort, war das
Bier zur Neige gegangen. Es gab nur noch Biersorten die nicht
besonders, beim überwiegend amerikanischem Publikum, beliebt waren
(Guiness, Miller Genuine,Amstel,Bud-Light). Also anlegen in Ensenada.
Wenige sind von Bord gegangen, darunter einige Musiker und wir....Beine
vertreten halt oder mal wieder festen Boden unter den Füßen verspüren
wie meine Frau sagte.
In die Stadt war es nicht weit, 10 Minuten
gehen und man war im Zentrum. Hier wartete man schon auf uns (ein
anders Kreuzfahrtschiff hatte 1 Std. vor uns angelegt).Das Angebot
bestand zu größten Teil aus Andenken und sonstigem Unfug wie
Gesichtsmasken (Halloween) und ECHTEM Gold-bzw. Silberschmuck. In einem
sehr netten Restaurant/Bar das auf dem Rückweg lag traf man sich dann.
Nach und nach trudelten einige Landgänger ein, darunter auch Susan
Tedeschi, Chandra Calloway (Sängerin), Janice Brooks (Tochter von
Lonnie Brooks), Olivier Scoazec (Gitarrist bei Buckwheat Zydeco, Kenny
Wayne Shepherd, Little Joe McLarren (IBC Gewinner)und Scott Nelson (Baß
bei KW Shepherd). Ein befreundetes Ehepaar aus LA und wir mitten drin
und voll dabei. Die Margaritas waren hier nicht nur besonders köstlich
sondern auch besonders Groß und sehr günstig.
Nachdem wir uns alle an den Margaritas erfreut hatten
kam
eine sehr lustige Stimmung auf und als dann noch die ersten Mariachi
Bands uns mit ihren Vorträgen beglücken wollte kam was kommen mußte:
die anwesenden Musiker mußten einfach mit singen und spielen.
Die konsumierten Margaritas verhalfen so manchem zu wahrlichen Stimmwundern, mich eingeschlossen.
bei
den örtlichen Mariachi Bands hatte es sich wohl herum gesprochen das es
dort Geld zu verdienen gab und so kam dann beinahe alles was eine
Gitarre halbwegs spielen konnten zu diesem Restaurant um uns mit ihren
Vorträgen zu beglücken.![]()
Wir
waren streng, erst einmal mussten sie Lieder wie: Smoke on the water,
born to be wild oder sweet home Alabama zu mindest im Ansatz
beherrschen. Dann durften sie auch ihr Liedgut vortragen (Guantanamera
habe ich noch nie in so vielen verschiedenen Versionen gehört).
Die Dollars war leicht verdient weil meistens schon nach einem Lied die nächste Band bereit stand.
Meine
Filmaufnahmen wurden später auf dem Schiff Berüchtigt und so manche
Aufnahme verschwindet besser für immer ins Archiv (Kenny Wayne Shepherd
wird sich dafür bedanken).
Die Reise ging dem Ende entgegen. Awards wurden verteilt (ist wohl üblich in den USA)
der "I Ain't drunk" award ging an denjenigen mit der höchsten Bar-Rechnung (1500$)
der
"John the Conqueror" bzw. "Hoochie Mama" award gingen an den Mann bzw.
Frau mit den meisten aktivitäten. Was wohl auch mit sex zu tun hatte.
Die Frage nach der Kabinen Nummer der Award winning woman blieb
unbeantwortet.
Wer hatte die längste Anreise, wir waren ganz dicht
dran diesen Award zu gewinnen aber es war noch ein Ehepaar aus
Leningrad anwesend.
Die Beste Performance gewann: Die Brooks Family Band
Die Überraschungs Band gewann: Cafe R&B
Ein
sehr junger Mann viel uns auf, er spielte einmal kurz Mundharmonika in
der Piano Bar, Leon Blue hatte ihn dazu eingeladen. Kyle Rowland heißt
er, ist 16 Jahre jung und war auf eigene Kosten mit seinem Vater an
Bord. Der Junge kann was, es gab einige Gelegenheiten bei denen er sein
können unter Beweis stellen konnte. Es hatte sich herum gesprochen das
dieser Bluesjüngling schon ganz gut die Bluesharp blasen kann. Er wurde
dann von der Legende Buckwheat (Zydeco) auf die Bühne geladen und bekam
die Chance sein können einem großen Publikum zu zeigen. Es gelang, das
Bluesvolk war begeistert und gesattete diesem Jungtalent auch weiterhin
auf die Bühne zu springen (manchmal in einem Bart Simpson T-Shirt) um
dort seine Harp zu spielen. Ich habe ihn später interviewed und Papa
Curtis Rowland gab mir die CD mit auf den Weg nach Deutschland.
Für mich gab es zwei musikalische Top Ereignisse.
Angekündigt
war die Brooks Brothers Band (Wayne und Ronnie Baker Brooks &
Jeremia Johnson (Jellybean Brooks) doch es kam ganz anders. Papa Lonnie
Brooks war auch an Bord und so wurde aus der Ankündigung die Brooks
Family Band mit Lonnie Brooks als Höhepunkt. Ich kann nur sagen, sehr
sehr beeindruckend diese Familie. Alle haben das Talent ihres Vaters
geerbt und die ganze Familie dann auf der Bühne zu sehen (hören) ist
etwas ganz besonderes. Zum ersten mal überhaupt also Weltpremiere auf
dieser kreuzfahrt.
Das zweite musikalische highlight ist die Band Cafe R&B aus Los Angeles.
Am
1. Abend sind wir nur durch Zufall in den großen Ballsaal im Bug des
Schiffes gelangt. Meine Frau wollte mal sehen was dort los ist.
Wie
so viele Anwesende waren wir sehr sehr überrascht. Der Saal war nur zu
einem drittel gefüllt und alle hat es praktisch von den Socken gehauen
was dort auf der Bühne geschah. Roach, die Sängerin, war nach den
ersten beiden Songs, die anscheinend dazu dienten sie in Fahrt zu
bringen, nicht mehr wider zu erkennen. Außer Rand und Band, sie hat
eine Stimme wie Aretha Franklin gemischt mit Etta James dazu einen
Schuß Tina Turner und einen touch Janis Joplin.
es hielt uns nicht lange auf den bequemen Sesseln, mit offenenm Mund stand ich vor der Bühne, vergaß die Kamera ein zu schalten
(jammer).
Cafe
R&B spielen fast nur Cover Versionen aber wie!! Ich kann es nicht
mit Worten beschreiben, man muss es hören und sehen. Auf meiner ist
hier nicht erlaubt Seite könnt ihr sie sehen und hören.
Nach
diesem ersten Auftritt am ersten Abend hat es sich wie ein Lauffeuer
auf dem Schiff herum gesprochen was dort zu sehen war. Der 2.Auftritt
am 3.Tag auf der großen Außenbühne (Achterdeck) war dann praktisch
Ausverkauft, alle an Deck.
Jetzt habe ich dann auch nicht vergessen auf den Auslöser meiner Kamera zu drücken.
Klasse!
Roach
und ihr Ehemann Byl Caruthers der auch die Gitarre spielt würden nur zu
gerne auch mal in Deutschland spielen. Frankreich und Spanien haben sie
schon bereisen können. Also, wenn ein Veranstalter diese Zeilen liest,
sofort Kontakt aufnehmen mit Cafe R&B (http://www.caferandb.com)
Übrigens,
Familie Caruthers (ihren 8 jährigen Sohn hatten sie auch dabei) saß
einige male im Restaurant neben uns, wir haben uns prächtig verstanden
und Roach war privat sehr schüchtern. Wie das geht habe ich sie
gefragt, Antwort: Sobald sie die Musik verspürt überkommt sie ein
unbändiger Drang diese Musik nicht nur durch ihre Stimme sondern auch
sonst körperlich aus zu drücken, ihr eine Art Form zu geben sie zu
spüren. Das kann man wohl sagen!
wer noch mehr erfahren will über
diese Reise, ich schreibe gerade an einem Tagebuch und werde es dann
hier veröffentlichen und in meinen Radiosendungen erzähle ich die ein
oder andere Geschichte. Begeleitmusik habe ich reichlich mitgebracht
von meiner USA Reise auch auf dem Schiff gab es einen Shop. In Los
Angeles war ich im größten CD-Laden der Welt (amoeba) nicht zu glauben
was die alles im Angebot haben. Die Blues-Abteilung ist so groß wie bei
uns in Deutschland das Gesamtangebot eines M..Marktes.
einige Fotos der reise findet ihr unten.
Hier noch die 10 Legendary Blues Regeln:
1. once a Blues Cruiser, always a Blues Cruiser
2.Your backstage pass is in hand
3.Dance like nobody's watching
4.A Tequila Sunrise is not just a drink
5.What happens on the ship stays on the ship
6.if this Cabin's rockin, don't come knockin'
7.Ain't no Family like a Bluesin' Family
8.sleep when you get home
9."Lick it before you stick it" (Denise LaSalle)
10.bring your Virgin Friends & have a friend for Life!
gruss 'n Blues
Bernd
the blues is alright and don't forget to boogie
