Flexibel Blues Band

Im Jahr 1986 bemühte sich der Liedermacher Ralf Mattern (g, voc, perc) um eine Spielerlaubnis, die ihm jedoch verwehrt worden ist. Da ihm mit einer Band die Erfolgsaussichten größer erschien, gründete er im Herbst 1986 die „Flexibel Blues Band“. Zur Urbesetzung gehörten außerdem Michael Fey (dr), Manfred Niedung (voc) und Thomas Richard (bg). Fey, der bereits eine Einstufung besaß, avancierte kurzerhand zum Bandleader, sodass die in Wernigerode ansässige Band problemlos die Spielerlaubnis als „Amateurtanzkapelle“ erhielt. Obwohl man sich als Deutsch-Rock-Band verstand, hatte man den Bandnamen bewusst gewählt. Einerseits glaubte man unter diesen Namen schneller ein breites Publikum zu erreichen und andererseits erhoffte man sich so problemlos die notwendige Spielerlaubnis zu erhalten. Musikalisch orientierte sich die Band jedoch an Udo Lindenberg und Rio Reiser, sodass man sich bereits nach kurzer Zeit nur noch „Flexibel“ nannte und den Blues aus dem Repertoire „verbannte“.

Ihren ersten Auftritt hatte die Band Anfang 1987 in Quedlinburg. Es folgten gemeinsame Auftritte mit „Freygang“, „Die Firma“ und weiteren Bands, die den sogenannten „Anderen Bands“ zu zuordnen waren. Im Repertoire hatte „Flexibel“ fast ausschließlich Eigenkompositionen, wie beispielsweise „Der Blues vom Aufstehen“, „Kennst du das Land“ oder „Ich bin dafür“, aus der Feder von Mattern. „Flexibel“ erlangte vorrangig regionale Bedeutung, hatte aber auch Auftritte in Borna, Belzig oder Potsdam. Die fast ausschließlich regimekritischen Texte sorgten für Aufsehen. Ein Konzertmitschnitt gelangte über Umwege in die Hände der Staatssicherheit. Die Staatsmacht reagierte und zog nacheinander einzelne Bandmitglieder zum Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee ein und legte damit faktisch die Band lahm, scheute jedoch offensichtlich ein offizielles Auftrittsverbot. Man schaffte es jedoch immer wieder Ersatz aus dem Umfeld der Band zu finden. Als im Sommer 1989 der Sänger während einer Urlaubsreise über Ungarn in die Bundesrepublik ausreiste, wurde Mattern schließlich vorgeladen und die Band mit einem Auftrittsverbot belegt. Offizieller Anlass war eine Eingabe an den DDR-Staatsrat, indem man sich gegen Atomkraftwerke ausgesprochen hatte. Doch die Ereignisse im Herbst 1989 sorgten dafür, dass das Verbot im Herbst 1989 wieder aufgehoben wurde.

Als der Schlagzeuger die offenen Grenzen genutzt hatte, um in die Bundesrepublik überzusiedeln, musste sich die Band neu finden.

Als „AufBruch“ neu erstanden, stellten sich schnell die ersten Erfolge ein. „AufBruch“ war die erste Ostband, die bei einem westdeutschen Label einen Plattenvertrag erhielt. Doch schon bald ereilte die Band das gleiche Schicksal wie fast alle Ostbands, so dass man sich 1992 auflöste. Drei Jahre später startete Mattern einen neuen Versuch und ließ mit neuer Besetzung (Kai-Uwe Scheffler/g, Tilo Hähnel/dr, Gerald Wirth/bg) die Band wieder auferstehen. Obwohl „AufBruch“ mit über 80 Tausend verkauften Tonträgern recht erfolgreich war, verschwand die Band nach 22 Jahren endgültig von der Bühne.

Weitere Bandmitglieder waren: Ralf Ningler (bg), Tom Schulz (bg) und Leif Ziemann (g).