Berlin

Der hohe Straßenrand, auf dem wir lagen,
War weiß von Staub. wir sahen in der Enge
Unzählig: Menschenströme und Gedränge,
und sahen die Weltstadt fern im Abend ragen.

Die vollen Kremser fuhren durch die Menge,
papierne Fähnchen waren dran geschlagen.
Die Omnibusse, voll Verdeck und Wagen.
Automobile, Rauch und Hupenklänge.

Dem Riesensteinmeer zu. Doch westlich sahn
Wir an der langen Straße Baum an Baum,
Der blätterlosen Kronen Filigran.

Der Sonnenball hing groß am Himmelssaum.
Und rote Strahlen schoß des Abends Bahn.
Auf allen Köpfen lag des Lichtes Traum.
(Georg Heym)

Wer hätte das gedacht? Es ist noch gar nicht so lange her, da bekam ich ein „Westpaket“, randvoll gefüllt mit den aktuellen Scheiben der Bluesrockband „Schwarzbrenner“ aus Düsseldorf.

Ich zögerte nicht lange und legte eine CD nach der anderen in meinen Player. Ungewohnt, ziemlich ungewohnt war das, was ich da zu hören bekam. Ungewohnt in zweifacher Hinsicht. „Schwarzbrenner“ fühlt sich dem deutschsprachigen Blues verpflichtet und die Band macht das auf ganz besondere Weise. Für den „Ostblueskenner“ ist deutschsprachiger Blues durchaus geläufig. Nicht so im Westen der Republik. Bemüht man die alte Tante Google zu diesem Thema, hat sie nicht viel mehr zu bieten als das „Dritte Ohr“ oder Crazy Chris Kramer. Die Düsseldorfer aber greifen auf den expressionistischen Dichter Georg Heym zurück und verbinden seine über 100 Jahre alten Texte mit modernem Blues.

„Schwarzbrenner“ - das sind Wolfgang Becker (voc, g), Christoph Keisers (dr, perc), Rolf Menzen (bg) und Jörn Becker (g). Die Truppe besteht seit 1995 und hat inzwischen fünf CDs veröffentlicht, auf denen sie ihre musikalische Vielfalt zum Besten gibt. Die Palette reicht vom rockigen Blues bis hin zu sanften Balladen, durchweg versehen mit gehaltvollen, poetischen Texten, die teilweise eine düstere Stimmung vermitteln. Und genau damit habe ich mich anfänglich schwer getan. Es sind schwermütige Geschichten von Liebe, Sehnsucht, Vergänglichkeit und Tod, die mir schienen besser in die Gothic-Ecke gepasst zu haben. Doch je öfter ich „Schwarzbrenner“ hörte – bemerkenswert ist vor allem die Doppel-CD „Stadt am Abend“ - fand ich Gefallen an diesen über die prägnante Stimme von Frontmann Becker transportierten Texten.

Fazit: Gewöhnungsbedürftiger, anspruchsvoller Blues. Ein Gewinn für mich alle Mal.

Nebenbei bemerkt, ein Gewinn war auch die persönliche Begegnung mit Frontmann Wolfgang Becker. Und die fand nicht am Rhein, sondern mitten im „Prenzlauer Berg“ statt, als dieser auf den „Pfaden des Ost Blues" wandelte.

 

(Sommer 2010)

Du benötigst Flash 9.0.28 oder höher, sowie Javascript um dieses Element anzuzeigen
Schwarzbrenner - das ist deutscher Blues Rock. Deutschsprachiger Blues assoziiert bei mir normalerweise Namen wie Engerling, Monokel, Jürgen Kerth oder Hansi Biebl. Das änderte sich schlagartig, als mir vor einiger Zeit die Doppel-CD "Stadt am Abend" von Schwarzbrenner ins Haus gebracht wurde.
Der Name der 1995 in Düsseldorf gegründeten Formation bezieht sich auf eine alte Tradition am Niederrhein. Und vom Niederrhein zog es die Band am Samstag an die Spree. Es ist bereits ihr zweiter Besuch in der Stadt jenes Mannes, dem sie mit ihrer Musik ein Denkmal gesetzt haben: Schwarzbrenner verwendet fast ausschließlich 100 Jahre alte Texte des expressionistischen Dichters Georg Heym (1887 - 1912), kombiniert mit modernem Blues, und gehört damit zweifelsohne zu den außergewöhnlichsten Bands der deutschen Blues- und Rockszene.
Die Gruppe, die normalerweise in der klassischen Dreierbesetzung spielt, hatte sich 'verschlankt' und bot dem Berliner Publikum im akustischen Duoformat das Programm "Stadt am Abend". Wolfgang Becker (voc, g) und Christoph Keisers (Cajon) spielten sich in dem fast zweistündigen Konzert durch die 16-jährige Bandgeschichte, während der man inzwischen fünf CDs veröffentlicht hat. 2010 folgten dann das Konzeptalbum "Stadt am Abend" als Anthologie und die Maxi-CD "Rhein-Ruhr/Niederrhein".
Letztere ist eine Hommage der Band an die Heimatregion mit Texten von Frontmann Wolfgang Becker. Los ging es mit "Juninacht". Thematisch zog sich die Tageszeit, in der sich die Dunkelheit langsam über die Stadt legt, wie ein roter Faden durch das Programm. Heym beschreibt mit düsteren, teils beklemmenden Bildern die abendliche Stimmung in der Stadt, zeichnet Landschaften und erzählt Geschichten von Liebe und Leid, wie in "Tod der Liebenden im Meer" oder in "Die blinden Frauen".
»Mehrheitlich geht es in den Stücken um das Thema Vergänglichkeit, welche uns zeitlebens begleitet«, so die erklärenden Worte Beckers. Becker selbst anerkennt, dass die Schwarzbrenner-Musik ungewöhnlich ist und es bei manch einem Zuhörer mehrerer Anläufe bedarf, um Zugang zu ihr zu finden. Beeindruckend war, wie die mit markanter Stimme vorgetragenen Texte mit den stimmungsvollen Melodien regelrecht verwuchsen. Dabei reichte die Palette von betont langsamen Balladen über rockigere Stücke bis hin zu klassischen Bluesnummern, wie "Gott der Stadt" - ein Song, den Becker dem anwesenden Musikerkollegen Olli Becker (Speiche's Monokel Bluesband, Jessica) widmete. Ganz zum Abschluss gab es mit "Wüste der Einsamkeit" noch eine 'Welturaufführung'. Natürlich ließ man Schwarzbrenner nicht so ohne Weiters gehen. Als Zugabe gab es schließlich noch den Titel "Staubwolken" von der 2001 veröffentlichten CD "Himmelfahrt".
Die Düsseldorfer boten dem durchaus fachkundigen Publikum im art.gerecht - anwesend waren u.a. Vertreter von rockradio.de, deutsche-mugge.de, alex auf 88,4 - einen Abend lang Ohrenschmaus mit Musik, die weniger zum Rocken, als zum Abschalten und Zuhören geeignet war - handgemachten Blues Rock mit anspruchsvollen Texten.
 

Der Beitrag wurde aus Rocktimes vom 23.09.2011 mit freundlicher Genehmigung des Autors übernommen.

 

 


"Heymkehr"

Man schreibt das Jahr 1980. Wolfgang Becker weilt auf Familienbesuch in Ostberlin. Irgendwann entflieht er der eher langweiligen Familienfeier und erkundet die Stadt. Becker landet in der Buchhandlung am Alexanderplatz. Gleich am Eingang fällt ihm ein schmales Buch mit ungewöhnlichem Einband (Reclam) auf. Er beginnt zu lesen: „Gott der Stadt“, „Die Vorstadt“, „Berlin“… Es sind Gedichte des Expressionisten Georg Heym (1878 -1912). Becker ist gebannt von dem was er liest. Es ist der Beginn einer lang andauernden "Männerfreundschaft".

1995. In Düsseldorf wird die Formation „Schwarzbrenner“ gegründet. Für Frontmann Becker steht fest, er will Musik mit viel Bluesfeeling und deutschen Texten machen. Und wieder ist da dieser schmale Band mit den Gedichten Heyms. Er beginnt zu lesen und nimmt die Gitarre zur Hand. Wie von selbst beginnen Text und Musik sich zu verschmelzen. „Gott der Stadt“ – der erste Song ist entstanden. Weitere folgen. Es sind vorzugsweise Bluessongs. Erst viel später erweitert sich das musikalische Spektrum auf Rocksongs und Balladen. Georg Heym aber, ist man bis heute treu geblieben, auch wenn inzwischen Stücke mit eigenen Texten hinzugekommen sind.

Wir schreiben das Jahr 2012. Es ist keine zwei Tage alt, als mir die Post das neueste Werk der „Schwarzbrenner“ ins Haus bringt. Danke, Wolfgang! Es ist die Doppel-CD „Heymkehr“, die Wolfgang Becker (voc, g), Christoph Keisers (dr, perc), Rolf Menzen (b) und Jörn Becker (g, arr) anlässlich des 100. Todestages von Heym bei „WOBE music“ aufgenommen haben.  Mein erster Eindruck, das Cover ist ebenso anspruchsvoll wie die Schwarzbrennermusik überhaupt. Beim Studium des Covertextes entdecke ich Bekanntes, wie „Die blinden Frauen“, „Tod der Liebenden im Meer“ und eben jenes „Gott der Stadt“. Aber es gibt auch Neues, wie „Westwärts“ und „Blau des Himmels“. Mit „Bremen“ folgte der letzte Teil einer Trilogie, die die Musiker ihren Heimatregionen gewidmet haben. Ende März in Bremen werde ich übrigens das Vergnügen haben die Band zum dritten Mal live zu erleben. Doch zurück zu „Heymkehr“. Das neue Doppelalbum reflektiert die gesamte Schaffensperiode der Band, wobei die Bluesnummern auf CD 1 gepresst worden sind und die Rocknummern auf die 2. Scheibe verbannt worden sind. Der Grund für eine solche Einteilung will sich mir allerdings nicht recht erschließen, und ich frage mich, ob man das denn wirklich immer so deutlich trennen kann. Mein Eindruck wird nach dem ersten Hörgenuss bestätigt, die Grenzen sind fließend. Und das auf beiden CDs.

Inzwischen habe ich beide Scheiben mehrmals angehört, und meine Meinung über die Schwarzbrenner-Musik hat sich erhärtet. „Schwarzbrenner“ ist eine außergewöhnliche Band, deren kraftvoller und abwechslungsreicher Sound tief im Blues verwurzelt ist und deren Texte keine der üblichen Bluesklischees bedienen. Fühle ich mich üblicherweise beim Musikkonsum vordergründig von der Musik angezogen; nicht so bei „Schwarzbrenner“. Will man deren Texte ergründen, muss man sich zwangsläufig auf den Text konzentrieren. Und spätestens im zweiten Anlauf will man. Für Bluesliebhaber, die bislang um „Schwarzbrenner“ einen Bogen gemacht haben, gibt es also viel zu ergründen. Würde man mich nach meinem Favoriten fragen, so müsste ich mich wohl zwischen „Fieberspital“ und dem Slowblues „Sturm“ entscheiden, was bei der Fülle von Songs auf dieser Doppel-CD wahrlich schwer fällt.

Für alte und neue Freunde Georg Heyms an dieser Stelle noch ein Tipp. Anlässlich seines 100. Todestages erschien im Herbst letzten Jahres im Verlag für Berlin-Brandenburg ein biographischer Essay von Gunnar Decker mit dem Titel:

Georg Heym.„Ich, ein zerrissenes Meer“.

(Februar2012)

 

 

Anlässlich der Veröffentlichung der Doppel-CD "Heymkehr" zum 100. Todesjahr von Georg Heym luden "Schwarzbrenner" am 3. März 2012 in die "Manege" nach Ratingen ein. Das Konzert bot "... knackig-trockenen Bluesrock der allerfeinsten Sorte. Vorwärtstreibend, kraftvoll, rau und dabei doch absolut präzise." (Zitat: Kai Engelke, Folker).
Exakt ein Jahr später traf die brandaktuelle DVD "LIVE Unter Freunden" - ein Mitschnitt des CD-Release-Konzert - bei mir ein. Ausgewählt wurden 11 Songs "... , von denen die Mehrzahl sich im Laufe der Jahre für uns zu echten Live-Dauerbrennern entwickelt haben ...", so Frontmann Wolfgang Becker.

Setliste:
Dämon der Städte
Allerseelen
Der Himmel wird so schwarz
Wilde Pferde
Der Gott der Stadt
Blau des Himmels
Die Menschen
Juninacht
Eifersucht
Alle Landschaften
Wüstenstadt

Besetzung:
Wolfgang Becker (Gesang, Gitarre)
Rolf Menzen (Bass)
Christoph Keisers (Drums)
Gast: Jörn Becker (Gitarre)

(März 2013)

Etwas auffällig war die längere Abwesenheit der Schwarzbrenner von der Showbühne schon. Doch untätig war man nicht. Schon seit längerem trugen Wolfgang Becker und Christoph Keisers die Idee von einem neuem musikalischen Projekt im Kopf. Nun war die Zeit gekommen. Man verschwand im Proberaum, anschließend im Studio und Ende August traten sie mit ihrer neuen Scheibe "Herbes Glück" an die Öffentlichkeit.

Das es sich tatsächlich um ein neues Projekt der beiden Musikanten handelt, wird sehr schnell deutlich. Während "Schwarzbrenner" eine sehr rockige Variante des Blues bietet, tendiert die neue CD musikalisch eher zu Folk und Ballade. Wenn schon Schublade, dann scheint "Liedermacher" am zutreffendsten zu sein.
Und auch in Bezug auf die Texte gibt es eine Neuerung. Während sich "Schwarzbrenner" fast ausschließlich der Texte des 1912 verstorbenen Dichters Geog Heym bedient, suchte man sich für "Herbes Glück" eine äußerst lebendigen Texter. Mit Ausnahme von "Der Gott der Stadt", "Juninacht" und "Tod der Liebenden im Meer", welche neu eingespielt, aus dem Schwarzbrenner-Repertoire übernommen worden sind, stammen die übrigen sieben Songs aus der Feder von Andreas Hähle.

Hähle, der u.a. auch Texte für "Unbekannt Verzogen", "Fährmann", "Zöllner" oder "Transit" geschrieben hat, dürfte spätestens seitdem er auf www.rockradio.de die Sendung "Wahl-Lokal" moderiert kein Unbekannter mehr sein.
Kennen gelernt hatte man sich auf einem der Clubkonzerte, die "Schwarzbrenner" in der jüngeren Vergangenheit in Berlin gegeben hat, war ins Gespräch gekommen, hatte "Seelenverwandtschaft" festgestellt und beschloss letztlich die Zusammenarbeit. Das Ergebnis halte ich nun in den Händen.

Zu hören sind auf "Herbes Glück" insgesamt 10 einfühlsame Songs, transportiert durch die markante Stimme Beckers, der auch ausnahmslos für die Kompositionen verantwortlich zeichnet, seiner Akustikgitarre und der beständigen "Percussions-Arbeit" Keisers.
Auch nach mehrmaligem hören finden sofort die Klassiker - auch im neuen Gewand - "Der Gott der Stadt" und "Tod der Liebenden im Meer" Zugang zu meinen Ohren. Alte Liebe rostet nicht!
Aber der Bringer ist "In der Hitze der Stadt"!

In der Hitze der Stadt trinke ich mich satt.
Und ich trinke mit dir von unserer brennenden Gier.
In der Hitze der Nacht gehen wir auf Liebeswacht

Bei dieser Nummer haben mich Wort und Ton auf ganz besondere Weise angesprochen. Musikalisch gesehen mag das wohl daran liegen, dass "In der Hitze der Stadt" von allen Titeln am deutlichsten am Blues orientiert ist.


Vor allem aber sind es ihre "Lieder über Liebe und Trauer, Kraft und Vergänglichkeit, Freundschaft und Einsamkeit... oder mit anderen Worten: Unsere Songs über das Herbe Glück" die beeindrucken. Becker und Keisers bleiben auch mit dieser Scheibe ihren hohen Ansprüchen gerecht und bieten uns überaus anspruchsvolle Musik mit tiefsinnigen Texten für einen anspruchsvollen Konsumenten.

(Oktober 2013)


Pünktlich zu Sommerbeginn haben Becker&Keisers nachgelegt und präsentieren uns mit "Unterwegs" erneut einen musikalischen Leckerbissen, welcher "Herbes Glück" in Nichts nachsteht. Die Scheibe bietet fünf akustisch dargebotene und auf 21 Minuten verteilte Songs des 'Schwarzbrenner-Ablegers'.

 

Zum besseren Verständnis sollte ich vlt. an dieser Stelle etwas ausholen. Es ist schon ein paar Jährchen her - die Düsseldorfer Bluesrock-Kapelle "Schwarzbrenner" hatte gerade ihre Doppel-CD "Stadt am Abend" veröffentlicht -, als man von www.rockradio.de eine Einladung nach Berlin erhielt, um das Album vorzustellen. Derartiges passiert für gewöhnlich an einem Dienstag in Speiches Kneipe (Berlin-Prenzlauer Berg). Wer die örtlichen Begebenheiten dieses Ladens kennt, weiß auch, das ebenda eine Unplugged-Variante die passende Alternative ist. So schrieben sie kurzerhand ihr Programm um und reisten zu zweit nach Berlin. Das Akustik-Duo Wolfgang Becker (voc, g) & Christoph Keisers (perc) war geboren. Als man mit diesem Programm, welches speziell für kleinere Clubs gedacht ist (siehe Konzertbericht auf Rocktimes vom 23.09.2011 aus dem "artgerecht" in Berlin) auf regen Zuspruch traf, und eine durchweg positive Resonanz erzielte, war beschlossen dieses Projekt am Leben zu erhalten.

 

Und nun liegt uns schon die zweite Scheibe vor, die wie ihr Vorgänger ein Konzeptalbum ist, bei dem jedoch - der Name sagt es - das Thema 'Unterwegs" (hier im Sinne von Suchen nach der eigenen Identität) verarbeitet wird. Auch bei "Unterwegs" zeichnet Becker für die Komposition verantwortlich. Alle Songs stammen von Berliner Textern (Zufall?), wenn auch aus unterschiedlichen Zeitepochen.

 

Erneut bietet man uns zwei Songs aus dem Schwarzbrenner-Repertoire mit Texten ihres Lieblingsdichters Georg Heym. Die Vorliebe der Schwarzbrenner für seine Texte dürfte inzwischen allseits bekannt sein. Den Auftakt macht der astreine Blues "Gen Norden" . Logisch, dass ich diese Nummer favorisiere, mit der Becker&Keisers erneut unter Beweis stellen, dass sie zu den außergewöhnlichsten Bands der deutschen Blues-Szene zählen. Die neueste Songkollektion endet mit einem weiteren neu arrangierten Heym-Titel "Mit den fahrenden Schiffen" aus den Anfangsjahren der "Schwarzbrenner". Mit "Wann werde ich gehen" und "Hallo Leben" steuert Andreas Hähle erneut zwei Titel bei. Aus Letzterem hat Becker sogar eine 6minütige Ballade gezaubert. Es erübrigt sich Hähle, der sich unter anderem als 'Haustexter' von "Transit", "Zöllner" oder "Unbekannt Verzogen" bei Musikliebhabern einen Namen gemacht hat, an dieser Stelle vorzustellen.

Besonders beeindruckt hat mich Sarah Schirms "Schicke mir ein Licht".

 

"Meine Seele schwindet,

weil sich Inneres vor Schmerzen windet.

Meine Hoffnungen gehen verloren,

weil ich wünschte,

ich wäre nie geboren.

Einst entstand ein Loch in mir,

das immer größer wird...

 

Hol mich heraus,

und sperr' mich nicht aus.

Bitte schicke mir ein Licht,

dass alle Dunkelheit zerbricht

und die Angst mir ferne hält."

 

Auch auf dieser Scheibe ermöglichen es Beckers kraftvoller Gesang und eine 'sanfte' Instrumentalisierung, sich auf die Texte zu konzentrieren, was mir bei derartig anspruchsvollen Texten von Nöten zu sein scheint.

 

(August 2014)